Wehen ist nicht Schalke

Zugegeben, sowohl sportlich erleben sowohl der FC Schalke 04 als auch der SV Wehen Wiesbaden eine reichlich enttäuschende Saison und auch auf Managementebene geben beide in letzter Zeit eine eher unglückliche Figur ab, aber dann hören die Gemeinsamkeiten auch schon langsam auf.

Eine ganz bestimmte weitere Gemeinsamkeit wäre mir aber doch recht und billig gewesen. Als Schalke 1965 drauf und dran war, aus der noch jungen Bundesliga abzusteigen, wurde die Liga von 16 auf 18 Mannschaften aufgestockt und die „Knappen“ blieben drin.

Im Laufe der Jahre war immer mal wieder von einer Aufstockung der ersten und auch der zweiten Liga die Rede. Nach der Wiedervereinigung spielten vorübergehend auch schon mal für eine Saison 20 Teams in der ersten Liga und die zweite Liga hat schon eine ganze Reihe Veränderungen im Format hinter sich (eingleisig, zweigleisig etc.). Zwecks Vermehrung der TV-Einkünfte war es gerade mal wieder so weit, dass über eine Vergrößerung beraten wurde. Dies wurde heute allerdings abgelehnt, sodass ein Klassenerhalt quasi durch die Hintertür für den SVWW vom Tisch ist.

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob das überhaupt hätte passieren können, oder ob nicht einfach nur zusätzliche Aufsteiger aus der dritten Liga zugelassen worden wären. Und wahrscheinlich auch noch nicht dieses, sondern erst nächstes Jahr, aber das ist ja jetzt eh wurscht. Und wenn, dann wollen wir es auch sportlich schaffen.

Erkenntnis #2

„Trotzdem waren wir auf einem guten Weg, dabei bleibe ich.“

Wolfgang Frank im Interview mit SPON.

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Von Maulwürfen, Abfindungen und einem Sieg gegen Eintracht Frankfurt

Länderspielpause: ein ganzes Wochenende ohne Stadionbesuch und Premieregucken. Zwischendurch auch mal ganz erholsam. Da im Büro momentan auch genug los ist, hatte ich sogar gedanklich ein paar Tage fußballfrei genommen. Aber nachdem mich mein Nachbar am Wochenende im Hausflur nach dem Termin des Spiels gegen Osnabrück fragte und ich nicht sofort antworten konnte, musste ich mich jetzt doch mal auf den neuesten Stand bringen.

Das Spiel gegen Osnabrück ist mittlerweile, wie die anderen restlichen Saisonspiele auch, von der DFL terminiert worden, meinen Nachbarn habe ich informiert, dieser Punkt ist also schon mal abgehakt.

Der SV Wehen Wiesbaden hat sich in einem Vergleich mit Aziz Ahahnfouf auf eine Abfindung von 200.000 Euro geeinigt. Vorausgegangen war die fristlose Kündigung Ende letzten Jahres, gegen die Ahanfouf gerichtlich vorgegangen ist. Offensichtlich sah auch das Gericht keine ausreichende Begründung für diese fristlose Kündigung (z. B. gab es nie eine Abmahnung), sodass diese nun in eine ordentliche Kündigung samt eben dieser Abfindungszahlung umgewandelt wurde. Man kann sich nun, wie in manchen Kommentaren beim WK, über „Abzocker-Mentalität“ des Herrn Ahanfouf aufregen, aber vor allem sehe ich hier einmal mehr, dass es beim SVWW noch an einer gehörigen Portion Professionalität mangelt. Dass man einen verletzten Spieler verpflichtet und mit einem tüchtigen Grundgehalt beglückt, ist ja schon grenzwertig, man hätte auch damals sicher schon eine stärker leistungsbezogene Vergütung aushandeln können, aber diesen Fehler dann so plump wieder ausmerzen zu wollen, kann man höchstens als naiv, eher dämlich, bezeichnen.

Als nächstes las ich davon, dass die Bild-Zeitung die Gehälter der SVWW-Spieler veröffentlicht hat. Irgendwie oder von irgendwem müssen da also interne Dokumente an die Presse weitergegeben worden sein – gab’s das nicht erst vor zwei Monaten? Anscheinend will da jemand entweder gezielt dem Verein schaden (wie der Verein selbst natürlich vermutet) oder vielleicht will sich auch nur jemand ein paar Euro dazu verdienen. Vielleicht jemand, dem im Zuge der jüngsten Sparmaßnahmen das Gehalt gekürzt wurde und nun ein entsprechendes Frustlevel hat? Ich will wirklich niemanden beschuldigen, kenne da auch gar keine Personen, aber mir scheint da intern auch einiges im Argen zu sein.

Wie dem auch sei, die (angeblichen) Gehälter unserer Profis hätten mich ja dann doch, wenigstens ein bisschen, interessiert, aber da ich besagtes Blatt höchstens einmal im Jahr in den Händen halte und ansonsten nur aus der Ferne am Zeitungsstand sehe, habe ich online danach gesucht. Leider nix gefunden. Wer den entsprechenden Artikel zufälligerweise hat, möge doch bitte mal die interessantesten Zahlen hier als Kommentar anhängen. Nur mal so.

Was ich aber bei Bild-Online gefunden habe, war die viel erfreulichere Nachricht, dass der SVWW ein Testspiel auf dem Halberg gegen Eintracht Frankfurt mit 2:0 gewonnen hat. Nicht, dass das irgendwelche Aussagekraft hätte, schließlich gab’s auch gegen Hoffenheim kürzlich einen Testspielsieg. Aber ich lese natürlich trotzdem lieber von einem Sieg gegen die Eintracht als von einer Niederlage. Auch wenn’s nur ein Testspiel ist.

Erfreuliches gibt es auch von der zweiten Mannschaft zu berichten. Die schlägt sich in der Regionalliga ganz wacker, hat am Samstag bei der Zweiten von 1860 München gewonnen und belegt derzeit Platz 7. Das lässt doch hoffen, dass nächstes Jahr einige Spieler den Sprung in die erste Mannschaft schaffen – der Sprung in die dritte Liga wäre ja auch nicht so groß…

Zum guten Schluss gab’s gestern eine Autogrammstunde, bei der auch das „Teamchefticket“ erhältlich war, eine kleine Zahlenspielerei mit der Nummer 8: Schwarz’ Rückennummer, 8 Punkte bis Platz 16, 8 Euro (statt 11) für die Eintrittskarte gegen St. Pauli. Bekommt man als Dauerkarteninhaber dann stattdessen vielleicht 8 Bier? Das würde auch eine weitere Niederlage relativieren.

SV Wehen Wiesbaden verpflichtet nicht Jörg Berger

Schon seit ein paar Wochen hatte ich den Gedanken, dass dem SVWW in seiner aktuellen Situation nur noch ein erneuter Trainerwechsel helfen kann – diesesmal aber mit einem „Feuerwehrmann“ allererster Kajüte. Da Peter Neururer gerade nicht verfügbar ist, blieb eigentlich nur noch Jörg Berger. Der scheint trotz Krebserkrankung noch bei guter Verfassung und hat offensichtlich gerade zu viel Tagesfreizeit und co-moderiert deshalb ab und zu bei Premiere und promotet ansonsten (bei Premiere und anderswo) sein Buch.

Nun ist es tatsächlich so gekommen, dass die Vereinsführung des SVWW die Notbremse gezogen und Trainer Wolfgang Frank samt Mentaltrainern rausgeworfen hat, und Sportdirektor Uwe Stöver gleich dazu. Nach Argumenten braucht man nicht lange suchen, die Niederlagenserie und der daraus resultierende Tabellenstand sind zweifellos Grund genug, um mit einer personellen Veränderung das Ziel Klassenerhalt nochmal neu anzugehen.

Auch der Zeitpunkt überrascht nicht im Geringsten, findet das nächste Spiel dank Länderspielpause doch erst in zwei Wochen statt, sodass der neue Trainer wenigstens ein bisschen Zeit hat, mit der Mannschaft zu arbeiten, bevor er das Unmögliche mögliche machen soll.

Überraschend ist allerdings, wer jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen (oder die Kohlen aus dem Feuer holen oder das Schiff wieder flott machen oder das Ruder wieder herumreißen oder [bevorzugte Neuanfang-Phrase hier einsetzen]) soll: der uns allseits bekannte Sandro Schwarz. Kaum vom (Ex-)Trainer als Mannschaftskapitän abgesetzt, wird er nun dessen Nachfolger. Mangels Lizenz fungiert er offiziell als Teamchef, Cheftrainer wird der bisherige Co-Trainer Hans Werner Moser, auch die anderen Co-Trainer Steffen Vogler und Frank Steinmetz bleiben erhalten. Schwarz wird übrigens nicht Spielertrainer, sondern wird – zumindest in dieser Saison – ausschließlich als Trainer/Teamchef arbeiten und nicht mehr selbst spielen.

Was hat man davon nun zu halten? Wurde hier der Bock (bzw. gleich zwei Böcke) zum Gärtner gemacht? Schließlich hat Schwarz mit zahlreichen schlechten Spielen auch einen Teil zur Misere beigetragen (ich sage bewusst „einen Teil“, völlig klar, dass er nur einer von vielen ist, bei dem es nicht lief). Und auch Moser war meiner Meinung nach als Stellvertreter für den aufgrund der Trainerausbildung häufig abwesenden Christian Hock mitverantwortlich für das meistens völlig uninspirierte Gekicke unserer Mannschaft.

Ich vermute, dass man wohl deshalb eine „interne“ Lösung gewählt hat, weil es so schlicht am billigsten ist. Ein Jörg Berger wäre sicherlich nicht gerade günstig zu haben gewesen, selbst wenn vor jedem Spiel Werbung für sein Buch gemacht worden wäre, und dass der SVWW nicht gerade im Geld schwimmt, haben wir ja im Januar erfahren, auch wenn der WK da wohl doch arg sensationsgierig war. So kann man zumindest ohne zusätzliches finanzielles Risiko nochmal etwas Hoffnung und Aufbruchstimmung schüren, sowohl bei Mannschaft als auch Fans, und im Falle des Abstiegs verliert auch keiner sein Gesicht. Die Planungen für die nächste Saison werden sowieso schon parallel für die zweite und die dritte Liga betrieben.

Ob’s tatsächlich was bringt, ob Sandro Schwarz irgendwelche Qualitäten als Teamchef hat, ob er der Mannschaft neue Lebensgeister einhauchen kann – keine Ahnung. Jedenfalls verdienen er und die Mannschaft unsere Unterstützung bis zum Saisonende, vielleicht kann man die Hoffnung auf den Klassenerhalt doch noch ein bisschen länger leben lassen. Die Hoffnung auf (wenigstens etwas) besseren Fußball, die ich nach der Verpflichtung von Wolfgang Frank hatte, habe ich sowieso längst aufgegeben, aber darauf kommt’s in den restlichen Spielen auch nicht mehr an, Hauptsache es gibt ein paar Punkte.

Seinerzeit hatte ich übrigens ein paar Parallelen zu den Nachbarn von der anderen Rheinseite erkennen wollen – zugegeben, vom Aufschwung, den Wolfgang Frank damals in Mainz brachte, war jetzt in Wiesbaden nichts zu sehen. Interessant aber, dass zehn Monate nach Franks Abgang (und drei Trainer später) Mainz 05 einen ungewöhnlichen Schritt vollzog und in Abstiegsgefahr Jürgen Klopp als neuen Trainer installierte – der damals noch Spieler war. Dieser holte dann aus den nächsten sieben Spielen 19 Punkte und führte den Verein zum Klassenerhalt.

Gegen solche Parallelen zu Mainz hätte in Wiesbaden sicherlich keiner etwas einzuwenden. Alles Gute, Sandro!

Seit wann ist die Saison schon im März zu Ende?

Am gestrigen Freitagabend durften wir mal wieder in „unserem“ Waldstadion antreten, aber auch der kleine Nimbus des „Dort-noch-ungeschlagen-Seins“ ist nun passé. Mit 1:2 verlor der SVWW gegen den FSV, das Spiel war … nun ja, sagen wir mal: dem Tabellenstand der beiden Teams angemessen.

Zu Beginn waren die Wehener noch sehr bemüht, aber nach einer Viertelstunde fiel etwas überraschend das 1:0 für den FSV. Der Schwung der Gäste war dann bald vorbei, Frankfurt konnte solide verteidigen und auf Konter lauern. So quälte man sich dann bis zur Halbzeitpause, vom Engagement wie im Mainz-Spiel nichts zu spüren. In der zweiten Hälfte weiterhin das gleiche Bild und zehn Minuten vor dem Ende das 2:0. Das schien schon die Entscheidung, aber kurz danach gelang dem eingewechselten Marcel Ziemer mit einer schönen Direktabnahme doch noch ein Treffer. Also doch noch mal ein paar Minuten Hoffnung auf etwas Zählbares, aber selbst ein Punkt hätte ja nicht wirklich weiter geholfen, außer vielleicht einem kleinen Schuss Selbstvertrauen für die nächsten Spiele.

So aber kassiert der SVWW die siebte Niederlage in der zweiten Liga in Folge und ist wohl kaum noch vor dem Abstieg zu retten. Meine Hoffnung beschränkt sich darauf, nur nicht alle restlichen neun Spiele zu verlieren, um wenigstens erhobenen Hauptes die Liga verlassen zu können. Und am letzten Spieltag Hansa Rostock mit in die dritta Liga runter zu ziehen – irgendein Ziel muss man ja haben.