Spielplan vs. Sommerferien

Mit einem schulpflichtigen Kind wird der Urlaubsplanung ein enger zeitlicher Rahmen vorgegeben. Darauf können die Planer beim DFB natürlich keine Rücksicht nehmen, sind sie doch selbst schon allerlei terminlichen Zwängen unterworfen. Da nächstes Jahr wieder eine Weltmeisterschaft ansteht, müssen die Ligen bis Anfang Mai fertig werden. In der dritten Liga mit ihren 20 Mannschaften gilt es 38 Spieltage zu terminieren, und deshalb geht’s schon am kommenden Samstag los, zwei Wochen vor erster und zweiter Liga.

Leider kollidiert das eklatant mit meinem eigenen Urlaub, sodass ich die ersten drei Ligaspiele und die erste Runde im DFB-Pokal verpassen werde. Vor allem das erste Liga-Heimspiel gegen Dynamo Dresden und natürlich erst recht das Pokalspiel gegen den VfL Wolfsburg hätte ich zu gern live angeschaut.

Apropos Wolfsburg: da kommt zum ersten mal überhaupt ein Erstligist zu einem Pflichtspiel in die Brita-Arena und dann auch noch der amtierende Deutsche Meister – und ich kann nicht dabei sein. Ich könnte heulen.

Übrigens gibt es ein paar Parallelen zu 2007: auch damals empfing der SVWW in der ersten Pokalrunde den aktuellen Meister, den VfB Stuttgart. Der gegnerische Trainer ist auch wieder derselbe: Armin Veh. Und damals wie heute war der SVWW gerade frisch in einer neuen Liga angekommen und hatte eine größtenteils neue Mannschaft. Das Team verkaufte sich teuer beim 1:2. Wer’s nochmal nachlesen mag, hier ist der Spielbericht bei kicker.de.

Und eins noch: auch 2007 war ich zu Saisonbeginn noch in Urlaub. Wer das nun als schlechtes Omen nehmen möchte und den Pokal gleich abschreibt, kann wenigstens für die Liga Hoffnung schöpfen, denn damals überraschte der SVWW im positiven Sinn und landete am Ende ja bekanntlich auf Platz 8. Dagegen würde ich mich dieses Jahr auch nicht wehren.

Hier die Termine der ersten paar Spiele, von denen es von mir leider keine zeitnahen Berichte geben wird:

  • Samstag, 25.07., 14:00 Carl Zeiss Jena – SVWW
  • Dienstag, 28.07., 18:30 SVWW – Dynamo Dresden
  • Freitag, 31.07., 20:30 SVWW – VfL Wolfsburg
  • Samstag, 08.08., 14:00 1. FC Heidenheim – SVWW

Ich drücke dann aus gut 8.000 km Entfernung die Daumen.

Der Umbruch

Nach einem Abstieg folgt meistens ein großer Umbruch, so auch beim SVWW. Die Verträge der meisten Spieler galten nicht für die dritte Liga, sodass die Kaderplanung nahezu bei Null begann. Diejenigen, die den Kader zusammenstellen und die Verhandlungen führen durften, sind auch erst recht neu im Verein (Geschäftsführer Wolfgang Gräf) bzw. in der Rolle (Manager Bernhard Raab, Cheftrainer Hans Werner Moser, Co-Trainer Sandro Schwarz). Da war es auch kein großer Vorteil, dass man schon relativ früh für die dritte Liga planen konnte (eher: musste).

Schauen wir uns mal an, welche Spieler geblieben, welche gekommen und welche gegangen sind.

Tor:

  • Bei Alex Walke, der letztjährigen Nummer 1, war klar, dass er nicht mit in die dritte Liga gehen würde. Bei unserem besten Spieler der letzten Saison hätte ich auch einen Transfer in die erste Liga für möglich gehalten, aber er ist zu Hansa Rostock gewechselt. Dort kann er in der kommenden Saison eventuell um den Aufstieg mitspielen.
  • Thomas Richter, die Nummer 1 der vorletzten Saison, wollte auch nicht bleiben. Das hat mich ein bisschen überrascht, denn ich hätte mir vorstellen können, dass er nach Walkes Abgang wieder Stammtorwart wird. Bisher hat er noch keinen neuen Verein gefunden.
  • Die Trikotnummer 1 trägt nun Eric Domaschke, der von der zweiten Mannschaft von Bayer Leverkusen gekommen ist.
  • Mit Domaschke um den Stammplatz im Tor konkurriert Marc Birkenbach, der aus der zweiten Mannschaft zu den Profis aufrückt.
  • Außerdem hinzugekommen ist Mijo Marinovic aus dem Nachwuchs von Melbourne Victory. Ist wohl eher für die zweite Mannschaft gedacht.

Abwehr:

  • Dajan Simac ist zum FSV Frankfurt gewechselt und somit in der zweiten Liga geblieben. Allerdings könnte er dort gleich eine weitere Saison lang Abstiegskampf erleben.
  • Die zweite Stammkraft in der Innenverteidigung, Marko Kopilas, hat ebenfalls den Verein verlassen und ist zu den Offenbacher Kickers gewechselt.
  • Gegangen (worden) sind außerdem Nikolaos Nakas, Ales Kokot, Vlado Jeknic und Slobodan Lakicevic. Außer Kokot (in seine slowenische Heimat zu Interblock Ljubljana) haben sie noch keine neuen Vereine gefunden.
  • Gehalten wurden hingegen Kristjan Glibo, Fabian Schönheim, Torsten Barg und Torge Hollmann.
  • Neu hinzugekommen sind Benjamin Weigelt vom FC St. Pauli, Kai Gehring aus der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg sowie Lukas Billick und Tunay Acar aus der eigenen Zweiten.

Mittelfeld:

  • Sandro Schwarz wird wohl nicht mehr als Spieler auflaufen, sondern seine Karriere als Trainer fortsetzen. Zunächst kümmert er sich um den Trainerschein (bzw. erst mal die A-Lizenz) und ist nach dem Rollentausch mit Hans Werner Moser nun Co-Trainer.
  • Benjamin Siegert hatte sich insgeheim wohl mehr erhofft, wird aber nach seinem Wechsel zum Mitabsteiger VfL Osnabrück nächstes Jahr auch in der dritten Liga antreten.
  • Über den Verbleib von Sanibal Orahovac, Erwin Koen, Levan Tskitishvili und Madi ist bisher noch nichts bekannt, Hajrudin Catic wurde in die zweite Mannschaft abgeschoben. Patrick Bick, der schon im Winter ausgemustert und in der zweiten Mannschaft geparkt wurde, wechselt zu RB Leipzig.
  • Urgestein Sascha Amstätter, derzeit leider verletzt, hatte als einziger Spieler der ersten Mannschaft (außer Sandro Schwarz) schon vorher einen Vertrag, der auch für die dritte Liga gilt.
  • Die gegen Ende der letzten Saison aus der zweiten Mannschaft aufgerückten Aykut Öztürk, Björn Ziegenbein und Benjamin Hübner gehören nun fest zum Profikader.
  • Zum SVWW gewechselt sind Josip Landeka von den Stuttgarter Kickers, Sebastian Reinert von der zweiten Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern, Steffen Bohl vom VfR Aalen und Christian Kunert vom Chemnitzer FC.

Sturm:

  • Ronny König wollte „mindestens“ in der zweiten Liga spielen und wird das nach seinem Wechsel zu Rot-Weiß Oberhausen zumindest in der kommenden Saison auch tun.
  • Wo Bakary Diakité seine Karriere fortsetzen wird, ist noch unbekannt.
  • Marcel Ziemer würde gerne bleiben und der SVWW würde ihn auch gerne behalten, aber nach Ablauf seines Leihvertrags musste er erst mal zurück zum 1. FC Kaiserslautern. Der FCK möchte wohl eine Ablöse haben, die der SVWW aber nicht zahlen will. Abzuwarten, ob man sich da noch einigen kann.
  • Dennis Schmidt, vor anderthalb Jahren von Bayer Leverkusen ausgeliehen, ist zum VfL Osnabrück gegangen.
  • Geblieben ist Dominik Stroh-Engel, der sich in der letzten Saison in der ersten Mannschaft etabliert hat.
  • Neu hinzugekommen sind Danko Boskovic vom SV Sandhausen und Jovan Damjanovic vom Drittligaaufsteiger SC Paderborn. Boskovic hat zu Regionalligazeiten schon mal eine erfolgreiche Saison für den SV Wehen gespielt (2004/05: 12 Tore bei 26 Einsätzen).

Erwähnenswert ist noch, dass sämtliche Transfers, sowohl gehend als auch kommend, ablösefrei vollzogen wurden.

Insgesamt wurde ein sehr junger Kader zusammengestellt, der in seinem Durchschnittsalter von knapp 24 Jahren nur von den jeweiligen zweiten Mannschaften der Bundesligisten in der Liga unterboten wird (die aber im wesentlichen aus U23-Spielern bestehen müssen). Es sind aber auch einige erfahrene Spieler dabei, besonders in der Defensive (z. B. Glibo, Hollmann), was sicherlich ein guter Plan ist, um den jüngeren Spielern Sicherheit zu geben.

Bei den Nachwuchskräften, die wir letztes Jahr schon im Dress des SVWW sehen konnten (Schönheim, Öztürk, Ziegenbein, Hübner), bin ich sicher, dass da noch einiges Potential schlummert. Ich gebe zu, dass ich von den Neuzugängen nur die wenigsten vorher kannte, aber ich hoffe natürlich, dass diese sich als wirkliche Verstärkungen erweisen oder zumindest eine gute Entwicklung einschlagen. Eine positive Entwicklung erhoffe ich mir auch bei der Spielweise, denn diese war letzte Saison häufig doch sehr einfallslos und deprimierend.

Als Absteiger gehört man häufig eher zu den Ligafavoriten, aber das sehe ich beim SVWW sicher nicht so. Ich wäre glücklich, wenn sich die Mannschaft möglichst schnell findet, passablen Fußball zeigt und nichts mit dem Abstieg zu tun hat. Wenn sich das junge Team in der oberen Tabellenhälfte platzieren könnte, wäre das sicherlich ein toller Erfolg. Vorher müssen aber erst mal 38 Partien gespielt werden – über die ich auch zukünftig wieder regelmäßig berichten werde.