Auswärtsspiel, aber anders

Zur Abwechslung habe ich es mal geschafft, einen kleinen Urlaubstrip so zu legen, dass ich kein Heimspiel des SVWW verpasse. OK, hat sich eher so ergeben, aber meistens geht das ja genau umgekehrt aus. Besonders praktisch ist es natürlich, wenn in der Nähe des Urlaubsorts auch Profifußball gespielt wird, da kann man auch mal ganz entspannt andere Mannschaften und andere Stadien sehen. Ganz besonders vortrefflich ist es, wenn man auf diese Weise auch noch in den Genuss eines Champions-League-Spiels kommt.

In meinem Fall handelte es sich um die Partie AZ Alkmaar gegen Arsenal London und ich hatte eigentlich nicht damit gerechnet, noch eine Karte für dieses Spiel zu bekommen. AZ – in der letzten Saison unter Trainer Louis van Gaal niederländischer Meister – hat selten genug die Gelegenheit, gegen einen solchen Gegner zu spielen, für die üblicherweise sehr reisefreudigen englischen Fans ist Holland verhältnismäßig nah gelegen und letztlich ist das DSB-Stadion mit 17.000 Plätzen nicht gerade riesig. Aber man kann’s ja mal versuchen, außer 15 Minuten Anfahrt und 5 Euro für einen Parkplatz hatte ich ja nichts zu verlieren.

So stand ich dann also vor dem Stadion, sah immer mehr Zuschauer herbeiströmen (einige Tausend davon ganz landestypisch auf dem Fahrrad), aber der Ticketmarkt war quasi nicht präsent. Einzig eine kasachische Familie schien ein Ticket übrig zu haben, verlangte dafür aber einen wahnwitzigen Preis. Die Kommunikation war nicht ganz so einfach, da weder Deutsch, Englisch noch meine überschaubaren Niederländisch-Kenntnisse irgendeine verständliche Antwort hervorriefen. Mittels Hand und Fuß und Kauderwelsch wurden mir dann erst 300, kurz danach 200 Euro als Preis genannt. So dringend musste ich das Spiel dann doch nicht sehen und ließ die Kasachen stehen (zumindest nehme ich an, dass es Kasachen waren, denn auf der Trainingshose des einen stand „Kazakhstan“). Ansonsten gab es nur ein paar andere Kartensuchende, allesamt Arsenal-Fans, keine Engländer und eher zufällig in der Gegend, z. B. einen Slowaken mit schmalem Budget, der in Haarlem arbeitete, und zwei Australier, die in Amsterdam auf einer Konferenz waren. Einer der Australier erstand schließlich eine überteuerte Karte eines englischen Fans, der andere verschwand daraufhin Richtung Innenstadt und als ich auch schon zurück zum Parkplatz gehen wollte, winkte plötzlich doch noch ein Typ mit einem Ticket. Angesichts des nahenden Anpfiffs ging die Preisverhandlung leichter als mit den Kasachen und so konnte ich schließlich doch noch ins Stadion. Natürlich lief ich erstmal prompt falsch herum, was mir nicht nur einen längeren Weg, sondern auch zwei Zäune, die den Gästeblock vom Rest der Welt trennen, als Hindernis bescherte. Freundlicherweise ließ mich eine Ordnerin durch und so saß ich kurz nach Anpfiff auf meinem Platz. Neben mir: die drei Kasachen! Wahrscheinlich hatte der Typ, der mir die Karte verkauft hatte, diese vorher den Kasachen in der Hoffnung auf einen leichten Gewinn abgekauft, aber am Ende wohl draufgelegt.

Von innen wirkte das DSB-Stadion deutlich größer als ob es gerade mal 17.000 Leute fasst, aber das muss wohl daran liegen, dass es ausschließlich Sitzplätze sind. Außerdem soll es auf 30.000 Plätze erweiterbar sein. Keine Ahnung wie, vielleicht durch Umwandlung von Sitz- in Stehplätze. Jedenfalls ist das Stadion recht hübsch anzusehen, innen wie außen.

Das Spiel war dann auch ganz nett. Nicht gerade endspielwürdig, aber doch sehr ordentlicher Fußball, zumindest bis zum Strafraum. Torchancen gab es für Alkmaar fast überhaupt keine und für Arsenal auch nicht viele. AZ war die van Gaalsche Spielweise noch deutlich anzusehen: extrem viel Ballbesitz, viele Ballstaffetten, aber auch viel hintenrum und wenig Mut zum riskanten Pass in die Spitze. Sah ein bisschen aus wie der FC Bayern in manchen Spielen in dieser Saison. Dass nach vorne nicht viel ging, lag allerdings auch an einer sicheren Arsenal-Defensive. Und wenn die Engländer (bzw. die elf Nicht-Engländer, die für Arsenal auf dem Platz standen) den Ball hatten, ging es recht zügig nach vorne. Nach einem Ballverlust eines holländischen Verteidigers in der eigenen Hälfte fiel dann auch das 1:0 für die Gäste, das die drei Superstars der Londoner locker herausspielten: Arshavin eroberte den Ball, passte auf van Persie, der legte quer auf Fabregas, welcher problemlos einschob. Die restlichen zehn Minuten der ersten Halbzeit hatte Alkmaar sichtlich an diesem Rückstand zu knabbern und leistete sich zahlreiche Abspielfehler.

In der zweiten Halbzeit ging’s dann ziemlich genauso weiter wie in der ersten. AZ bemühte sich, ließ den Ball laufen, kam aber nicht zum Abschluss, während Arsenal stets gefährlich blieb und dem 2:0 näher war als die Gastgeber dem Ausgleich. So lief das Spiel dann dahin, alles deutete auf einen Sieg des Favoriten hin und wie auch in anderen Stadion verließen schon lange vor Abpfiff immer mehr Zuschauer ihre Plätze. Die werden sich schön geärgert haben, denn in der Nachspielzeit gelang Alkmaar doch noch der Treffer zum 1:1. Und zwar völlig untypisch für die ansonsten sehr kontrollierte Spielweise, denn der weit hereingeschlagene Freistoß auf den hochgewachsenen Stürmer Pelle, der eine Viertelstunde vorher als „Brechstange“ eingewechselt worden war, sah mehr nach klassischer Verzweiflungsaktion aus. Jedenfalls kam Pelle tatsächlich per Kopf dran und legte Mendes da Silva auf, der mit einer schönen Direktabnahme den umjubelten Ausgleich erzielte. Das war’s dann auch, Schlusspfiff, das Alkmaarer Publikum (sofern noch anwesend) feierte, die Gästefans waren frustriert.

Ingesamt ein schöner Abend, mit der Erkenntnis, dass die englischen Fans zwar laut singen, aber anscheinend nur ein sehr überschaubares Repertoire haben. Ach ja, und ein Spiel dauert natürlich 90 Minuten. Plus Nachspielzeit.

Ex-Wochenschau

Wirklich viel gibt es wegen der Länderspielpause nicht vom SVWW zu berichten, aber so ein paar Schnipsel möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Fangen wir gleich mit dem Länderspiel an: Deutschland hat am Samstag mit 1:0 in Moskau gegen Russland gewonnen und ist somit direkt für die WM im kommenden Jahr in Südafrika qualifiziert. Schön, denn das erspart uns ein bis drei nervige Zitterpartien. Marcel Ziemer war übrigens nicht im Kader.

Nominiert für die rumänische Nationalmannschaft war hingegen Ex-SVWWler Max Nicu, musste aber aufgrund einer Verletzung absagen und ersparte sich so die 0:5-Niederlage in Serbien.

Unser Ex-Trainer Christian Hock war unterdessen kurzzeitig beim FSV Frankfurt im Gespräch, nachdem Thomas Oral dort nach dem jüngsten 1:1 gegen Kaiserslautern zurückgetreten ist. Nebenbei: Ich verstehe gar nicht, wieso Oral hingeworfen hat. Mit dem Unentschieden hat der FSV seinen Punktestand schlagartig verdoppelt und ist vom letzten auf den vorletzten Punkt gesprungen, also ganz klare Aufwärtstendenz. Und letztes Jahr zum gleichen Zeitpunkt waren sie doch auch Tabellenletzter (übrigens nach einer Niederlage in Wiesbaden) und haben trotzdem noch ihre große Serie gestartet. Aber ist ja nicht mein Bier.

Zurück zu Christian Hock. Beim FSV Frankfurt hätte er einige weitere Ex-SVWWler getroffen, z. B. Sportdirektor Uwe Stöver und einige Spieler,  u. a. Dajan Simac und Bakary Diakité. Letztlich hat man sich dort für Hans-Jürgen Boysen entschieden, weshalb es gerade ein paar Verstimmungen zwischen dem FSV und Kickers Offenbach gibt, da Boysen dort noch unter Vertrag war. Aber Hock wird schon wieder woanders als Kandidat gehandelt, diesmal bei RW Ahlen.

Hocks Vorgänger Djuradj Vasic (kennt den noch jemand?) ist ab sofort auch wieder auf Jobsuche, nachdem er in Elversberg rausgeworfen wurde. In Elversberg (wer’s nicht kennt, das liegt im Saarland, und der SVE spielt in der Regionalliga West) spielen übrigens mit Adnan Masic, Robert Paul und Nikolaos Nakas auch ein paar ehemalige Wehener.

So, nachdem wir jetzt von zahlreichen „Ex“ gehört haben – was macht eigentlich die aktuelle Mannschaft? Die bestritt am Samstag ein Testspiel gegen Mainz 05 und verlor 0:2. Zugegeben, auch nicht viel spannender.

Biermann liest im Schlachthof

Der Fußballstandort Wiesbaden scheint sich auch abseits des Spielgeschehens zu entwickeln. Nicht nur Ben Redelings kommt demnächst, sondern auch der (z. B. von Spiegel Online und 11 Freunde) bekannte Fußballjournalist Christoph Biermann. Nächsten Donnerstag, am 01.10., liest er ab 20:00 Uhr im Schlachthof aus seinem neuen Buch „Die Fußball-Matrix“ .

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Scudetto in Wiesbaden

Ben Redelings, dem einen oder anderen vielleicht von Scudetto-TV (u. a. bei Spiegel Online) bekannt, kommt mit seinem Programm „DEM FUSSBALL SEIN ZUHAUSE. Pöhlen, Pils und Pokale entlang der B1″ am 10.12. nach Wiesbaden in den Kulturpalast.

Was ich von ihm bisher gesehen und gelesen habe, war durchaus empfehlenswert. Der Abend im Kulturpalast könnte also recht unterhaltsam werden.

DEM FUSSBALL SEIN ZUHAUSE. Pöhlen, Pils und Pokale entlang der B1

Huch, alles bunt?

Die regelmäßigen Besucher (*hüstel*) sind vielleicht auf den ersten Blick verwirrt, aber Ihr seid schon richtig. Immer noch der gleiche Inhalt, nur eine neue Verpackung. Ich fand’s mal an der Zeit, hier ein bisschen Farbe reinzubringen. Das alte Theme hatte zwar netterweise die Fleur de Lis im Layout, was ich wegen des Wiesbaden-Bezugs ganz nett fand, aber leider war es sonst recht blass. Gefällt mir jetzt besser, außerdem hat das neue Theme zwei Spalten, in die man noch diversen Kram reinpacken kann. Vielleicht bastel ich noch ein wenig dran rum, aber so in etwa soll’s schon bleiben.

Wie gefällt’s Euch?

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