Kleines Fazit

Zugegeben, nachdem das Saisonende schon einen Monat zurück liegt, bringt’s eine Analyse nicht mehr so wirklich. So glorreich, dass man noch lange in Erinnerungen schwelgen möchte, war’s ja nun auch nicht. Aber ein paar Sätze möchte ich dann doch noch loswerden.

Nachdem der SVWW in seiner ersten Zweitligasaison eine der positiven Überraschungen und nie wirklich in Abstiegsgefahr war (sondern im Gegenteil die meiste Zeit in der oberen Tabellenhälfte verbrachte), folgte danach ein Lehrstück aus der Kategorie „das zweite Jahr nach dem Aufstieg ist immer das schwerste“:

  • Der Überraschungseffekt aus der ersten Saison, in der viele Gegner den SVWW und seine Spielweise wohl kaum kannten, war vorbei.
  • Der Abgang von Maximilian Nicu (6 Tore und 11 Vorlagen in 07/08) konnte (auch verletzungsbedingt) weder durch Erwin Koen noch durch Sanibal Orahovac wirklich kompensiert werden.
  • Auch Benjamin Siegert konnte nicht so auftrumpfen wie im Vorjahr, sodass das einst so erfolgreiche schnelle Spiel über die Flügel kaum noch Gefahr vor dem gegnerischen Tor erzeugte.
  • Die Stürmer fielen in ein kollektives Formtief: Ronny König kam auf 6 Tore und 2 Vorlagen (wobei ein paar Tore erst in den letzten Spielen gelangen, als der Abstieg schon fest stand), während es in 07/08 noch 10 Tore und 5 Vorlagen ware. Bakary Diakité gelang gar nur ein einziges Tor (07/08: 7 Tore, 6 Vorlagen). Marcel Ziemer traf nach hoffnungsvollem Start quasi nicht mehr, Dominik Stroh-Engel auch nur höchst selten und von Dennis Schmidts Torausbeute reden wir lieber gar nicht erst.

Insgesamt wurden nur 28 Tore erzielt, während es im Vorjahr noch 47 eigene Treffer zu bejubeln gab. Die Defensive hingegen (49 Gegentore) war zum überwiegenden Teil nicht schlechter als in der Vorsaison (53). Wenn man die beiden derben Klatschen in Freiburg und Mainz (jeweils 0:5) mal außen vor lässt, war das durchaus zweitligatauglich, natürlich nicht zuletzt durch den überragenden Alexander Walke, der wohl als einziger konstant gute Leistungen gezeigt hat.

Es ist wohl nicht ganz verkehrt zu sagen, dass die mangelnde Offensivleistung der Mannschaft ein wesentlicher Grund für den Abstieg war. Zudem war zu lesen, dass wohl manchen Spielern der Ernst der Lage lange Zeit nicht bewusst war – sehr erstaunlich, stand die Mannschaft doch seit dem 5. Spieltag durchgehend auf einem Abstiegsplatz. Der Abstieg ist umso bitterer, da es aufgrund der neuen Abstiegsregel (2 Absteiger plus ein Relegationsplatz statt wie zuvor 4 direkte Absteiger) eigentlich leichter war, in der Liga zu bleiben – zumindest theoretisch.

Ganz sicher nicht hilfreich war so manche Aktion hinter den Kulissen. Da kamen interne Dokumente an die Öffentlichkeit und sorgten für Unruhe im und um den Verein, den Mitarbeitern der Geschäftsstelle wurden die Gehälter gekürzt, einige „überflüssige“ Spieler wurden vor die Tür gesetzt, man fand sich ein paar mal in Rechtsstreitigkeiten verwickelt (Kündigung von Aziz Ahanfouf, Ausstieg von Hauptsponsor Victor’s), Christian Hock wurde unter dem Vorwand seiner Trainerausbildung gefeuert, später müsste dann auch der neue Trainer Wolfgang Frank gehen und Sportdirektor Uwe Stöver gleich dazu, am Schluss schließlich Geschäftsführer Markus Irmscher. Man könnte auf die Idee kommen, dass Hankammer Junior dem Erbe seines Vaters nicht ganz gewachsen ist, aber was weiß ich schon. Sehr professionell und souverän wirkte die Vereinsführung jedoch nicht immer.

Die Saison war jedoch nicht nur schlecht. Ein Highlight waren sicherlich die tollen Spiele im DFB-Pokal mit den Siegen gegen Darmstadt, Aachen und Karlsruhe und schließlich dem Aus beim Hamburger SV.

Jetzt begrabe ich aber offiziell die Saison 08/09 und werde als nächstes den Blick wieder nach vorne richten. Gern zitiert wird in solchen Momenten „wer hinfällt, muss auch wieder aufstehen“. Also los.

Danke und bis bald, zweite Liga

Heute gab’s zum vorerst letzten mal Zweitligafußball in Wiesbaden und bei schönstem Sommerwetter kamen über nochmal über 10.000 Zuschauer zum Spiel gegen Hansa Rostock in den Filter. Allerdings muss man dazu sagen, dass mindestens die Hälfte davon aus Rostock kamen und einen sensationellen Support zeigten. Dass der Anhang des Gegners zahlenmäßig überlegen ist, haben wir ja schon einige Male erleben dürfen bzw. müssen (Mainz, Kaiserslautern, Mönchengladbach), aber was die Hanseaten an Stimmgewalt zu bieten hatten, war schon erstligareif. Das Gute daran war, dass das auch unsere Nordwand zu einer Topleistung motivierte, schließlich wollten wir ja zeigen, wer Herr im Hause ist.

Auf den Rängen also großes Kino, auf dem Rasen eher weniger. Rostock drohte noch die Relegation und spielte dementsprechend engagiert, Wehen Wiesbaden hatte Mühe dagegenzuhalten. Nach ein paar mehr oder weniger guten Chancen auf beiden Seiten (u. a. klärte Catic auf der Linie einen Kopfball nach Ecke), ging der SVWW durch Dominik Stroh-Engel in Führung. Natürlich großer Jubel auf Seiten der Wiesbadener mit der üblichen Tormusik, aber kurz darauf kam das bekannte „Dudübdübdüb…“ auch von der Südtribüne – Grund war die erste Einblendung der Zwischenergebnisse aus den anderen Stadien auf der Anzeigetafel, denn das 2:0 von Duisburg gegen Osnabrück bedeutete für Hansa schon fast den sicheren Klassenerhalt.

Der SVWW verteidigte den Vorsprung bis zur Halbzeit und überließ in der zweiten Hälfte das Spiel überwiegend den Gästen. Diese kamen Mitte der zweiten Halbzeit schließlich noch zum Ausgleich. Das Zuspiel sah zwar arg nach Abseits aus, aber darauf kam’s am Ende auch nicht mehr an. Endstand 1:1, die Rostocker feierten den Verbleib in der zweiten Liga. Dieser war für den SVWW ja schon seit Wochen außer Reichweite, aber just seit der Abstieg feststand, wurde kein Spiel mehr verloren. Zum richtigen Spielverderber wurden wir also nicht mehr, aber die Mannschaft hat sich wenigstens anständig verabschiedet.

Verabschiedet wurden vor dem Spiel auch zahlreiche Spieler, auch wenn bei den wenigsten schon feststeht, wo es in der nächsten Saison hingeht. Noch viel weniger steht fest, wie unser Kader für die kommende Drittligasaison aussehen wird, aber das schauen wir uns demnächst an.

Jetzt heißt es erst mal tschüß und vielen Dank für zwei Jahre zweite Liga. Auch wenn wir weniger Siege als Niederlagen erleben durften, waren doch einige großartige Spiele und Momente dabei. Auf dem einstmals weißen Fleck auf der Fußballlandkarte hat sich einiges entwickelt – ich hoffe, dass möglichst viel von der noch jungen Fankultur auch in der dritten Liga bewahrt werden kann. Und wer weiß, vielleicht geht’s in nicht allzu ferner Zukunft auch wieder aufwärts.

Wehen ist nicht Schalke

Zugegeben, sowohl sportlich erleben sowohl der FC Schalke 04 als auch der SV Wehen Wiesbaden eine reichlich enttäuschende Saison und auch auf Managementebene geben beide in letzter Zeit eine eher unglückliche Figur ab, aber dann hören die Gemeinsamkeiten auch schon langsam auf.

Eine ganz bestimmte weitere Gemeinsamkeit wäre mir aber doch recht und billig gewesen. Als Schalke 1965 drauf und dran war, aus der noch jungen Bundesliga abzusteigen, wurde die Liga von 16 auf 18 Mannschaften aufgestockt und die „Knappen“ blieben drin.

Im Laufe der Jahre war immer mal wieder von einer Aufstockung der ersten und auch der zweiten Liga die Rede. Nach der Wiedervereinigung spielten vorübergehend auch schon mal für eine Saison 20 Teams in der ersten Liga und die zweite Liga hat schon eine ganze Reihe Veränderungen im Format hinter sich (eingleisig, zweigleisig etc.). Zwecks Vermehrung der TV-Einkünfte war es gerade mal wieder so weit, dass über eine Vergrößerung beraten wurde. Dies wurde heute allerdings abgelehnt, sodass ein Klassenerhalt quasi durch die Hintertür für den SVWW vom Tisch ist.

Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob das überhaupt hätte passieren können, oder ob nicht einfach nur zusätzliche Aufsteiger aus der dritten Liga zugelassen worden wären. Und wahrscheinlich auch noch nicht dieses, sondern erst nächstes Jahr, aber das ist ja jetzt eh wurscht. Und wenn, dann wollen wir es auch sportlich schaffen.

Auf zum letzten Gefecht

Am morgigen Abend empfängt der SV Wehen Wiesbaden den Nachbarn von der anderen Rheinseite, Mainz 05.

Dieses Spiel ist aus ein paar Gründen etwas Besonderes. Es ist das einzige Heimspiel im gesamten Monat März, zum ersten mal überhaupt überträgt das DSF das Montagsspiel aus der Brita-Arena und erst zum zweiten mal in dieser Saison ist das Stadion ausverkauft.

Wie wir es leider schon gewohnt sind, stehen auch diesesmal die Vorzeichen mehr als schlecht für den SVWW. Als Tabellenletzter mit fünf Niederlagen in Folge (plus Pokal-Niederlage in Hamburg) steht man einem heißen Aufstiegskandidaten gegenüber, der seit acht Spielen in der zweiten Liga unbesiegt ist und nach einem Sieg gegen Schalke 04 zudem im DFB-Pokal-Halbfinale steht.

Wehens Trainer Wolfgang Frank hat Anfang der Woche reichlich Staub aufgewirbelt, indem er vier Spieler zur zweiten Mannschaft „verbannte“ und zudem Sandro Schwarz des Kapitänsamts enthob. Wahrscheinlich soll das irgendwie die Mannschaft aufrütteln und vielleicht gibt es sogar interne Gründe, die das erklären könnten, aber für den Außenstehenden wirkt das alles reichlich seltsam. Hajrudin Catic zählte in der ganzen Saison sowieso kaum zum Kader und saß meistens auf der Tribüne, Vlado Jeknic hatte in der Rückrunde genau einen Einsatz über die volle Spielzeit (den er allerdings vermasselte), Erwin Koen war meistens verletzt und wurde nur ein paar mal eingewechselt und auch Bakary Diakité kam in der Rückrunde nur als Einwechselspieler zum Einsatz. Zum neuen Kapitän wurde Alex Walke bestimmt, was einerseits nachvollziehbar ist, da Walke der einzige Spieler beim SVWW ist, der konstant gute Leistung bringt, aber andererseits ist mir nicht ganz klar, wie Sandro Schwarz dadurch gestärkt werden soll. Angeblich sollen sich die anderen Spieler dadurch nicht mehr hinter Schwarz verstecken können. Nun ja.

Angesichts einiger Verletzungen (Siegert, Tskitishvili, evtl. Simac) und der Sperre von Kristjan Glibo stellt sich die Mannschaft fast von alleine auf. Immerhin könnte Sanibal Orahovac, mit 6 Toren unser „Top-Torschütze“, wieder einsatzbereit sein.

Mainz hingegen kann nahezu in Bestbesetzung antreten, aber die Rollen sind ohnehin klar verteilt. Ein Punktgewinn für den SVWW wäre schon mehr als überraschend, aber falls man sich überhaupt noch eine Chance auf den Klassenerhalt erhalten möchte, ist man eigentlich zum Siegen gezwungen.

In jedem Fall sollten sich die Mannschaft, aber auch die Fans vor knapp 12.000 Zuschauern im Stadion und ca. 82 Millionen vor dem Bildschirm von ihrer besten Seite präsentieren. Einsatz bis zum letzten, auf dem Rasen und auf der Nordwand, wer weiß, wann wir diese Chance wieder bekommen.

Das andere ausverkaufte Spiel in dieser Saison war übrigens am 7. November gegen Kaiserslautern. Der SVWW gewann 4:2.

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Auf ein Neues

Eins gleich vorweg: ich werde in dieser Spieltagsvorschau die anderen Spiele nicht thematisieren. Solange wir selbst nicht punkten, brauchen wir auch nicht großartig ausrechnen, wo man idealerweise nach dem Spieltag in der Tabelle stehen könnte. Fakt ist: der SVWW ist Letzter und hat ein Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg vor der Brust.

So weit, so schlecht.

Hat man außerdem noch die alte Börsenregel „the trend is your friend“ im Hinterkopf, kann man nicht viel Gutes für den Sonntag erwarten. Kurzer Rückblick auf die Ergebnisse der Pflichtspiele in 2009: glücklicher Sieg, verdienter Sieg, unglückliche Niederlage, verdiente Niederlage. Wenn man da unbedingt einen Trend erkennen will, dann ging’s erst hoch und gleich wieder runter. Aber was kommt nach „verdiente Niederlage“? Im schlimmsten Fall gibt’s eine Klatsche, klar, aber ebenso wie an der Börse weiß man eben vorher nie so recht, was als nächstes kommt. Sicher ist nur, dass es hinterher jeder schon vorher gewusst hat. Aber gut, lassen wir das.

Unter der Woche gab’s ein Testspiel gegen die TSG Hoffenheim, was sogar mit 2:1 gewonnen wurde, aber daraus kann man sicherlich nicht allzu viele Rückschlüsse ziehen. Immerhin hat sich Levan Tskitishvili anscheinend ganz ordentlich präsentiert (ich konnte das Spiel selbst leider nicht sehen) und wird am Sonntag wohl Madi ersetzen, der wegen einer Adduktorenzerrung nicht spielen kann. Ebenfalls nicht spielen kann der erkankte Sanibal Orahovac, sodass Erwin Koen vermutlich wieder beginnen darf. Benjamin Hübner fiel gegen Hoffenheim auch positiv auf, ebenso Dominik Stroh-Engel. Ich schätze, dass beide zwar nicht in der Startelf stehen, aber dann irgendwann eingewechselt werden. Ganz sicher nicht eigewechselt wird Vlado Jeknic, der nach dürftiger Leistung gegen Koblenz an diesem Wochenende nicht mal im Kader der ersten Mannschaft steht. Auf seine Position rückt wieder Marko Kopilas und wird hoffentlich der Abwehr wieder mehr Sicherheit geben.

Aufgrund des unglücklichen Ende im Hinspiel stünde uns mindestens ein Punkt zu, aber das wird die Clubberer mit Sicherheit nicht interessieren. Aber es hilft ja nichts, wenn wir aus den restlichen 14 Spielen noch mindestens 18 Punkte holen wollen, sollten die Jungs am besten gleich am Sonntag die Mission 21 fortsetzen. Bei mir ist nach dem tiefen Frust des letzten Wochenendes zumindest wieder ein bisschen Hoffnung da. Zumindest bis Sonntag um 14 Uhr.