An mir lag’s nicht

Kürzlich hatte ich ja mal am Rande das Thema Aberglaube thematisiert und mich gefragt, ob wohl mein Fernbleiben von der Brita-Arena das Spielergebnis günstig beeinflussen könne. Nachdem es aber am Freitag gegen den VfL Osnabrück trotz meiner Abwesenheit erneut eine Niederlage setzte (das dritte 0:1 hintereinander), kann ich diese These wohl wieder verwerfen.

Tatsache hingegen ist, dass bei nunmehr 11 Punkten Abstand und vier verbleibenden Spielen auch rechnerisch der Abstieg in die dritte Liga für den SV Wehen Wiesbaden quasi besiegelt ist. Am kommenden Freitag gegen 19:50 Uhr werden wir wohl in kleinen Randnotizen lesen, dass der erste Absteiger feststeht.

Überraschend oder gar schockierend ist das natürlich keineswegs, enttäuschend aber schon. Meine Saisonanalyse folgt demnächst, jetzt bringen wir erst mal die restlichen Spiele anständig hinter uns.

Immerhin schönes Wetter

Nach einer kurzen betriebsbedingten Pause geht’s hier endlich mal weiter und zwar mit einem kleinen Bericht zum Spiel des SVWW gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth. Die Franken waren heute zu Gast in der Brita-Arena und machen sich – mal wieder – Aufstiegshoffnungen. In der Vergangenheit haben die Fürther den Aufstieg in die erste Liga schon x-mal als Vierter knapp verpasst, sind quasi das Leverkusen der zweiten Liga, und auch aktuell stehen sie wieder auf dem vierten Rang der Tabelle.

Das Spiel war gerade mal vier Minuten alt, als es schon den ersten Aufreger gab: Fürths Toptorjäger Allagui nahm den Rempler von Simac im Strafraum dankbar an und prompt gab es Strafstoß für die Gäste. Bernd Nehrig, der in dieser Saison bisher alle drei Versuche  verwandelte, trat an, aber Alex Walke konnte den Schuss abwehren. Durchatmen, doch kein Rückstand ehe das Spiel richtig begonnen hatte. Wehen legte daraufhin den Vorwärtsgang ein, kam meistens recht zügig über außen in die gegnerische Hälfte und ein paar mal segelte der Ball gefährlich quer durch den Fürther Strafraum. Dominik Stroh-Engel hatte die Führung auf dem Kopf, verpasste aber eine Flanke knapp.

Gerade als man sich daran gewöhnt hatte, dass das Spiel des Tabellenschlusslichts tatsächlich nach Fußball aussah und annahm, dass früher oder später eigentlich ein Treffer für die Gastgeber fallen müsste, gab es die kalte Dusche in Form des 0:1. Nehrig wurde kaum beim Dribbling gestört und konnte schließlich von der Torauslinie in die Mitte passen, wo der ebenfalls völlig unbedrängt Cidimar nur noch einschieben brauchte. Ein absolut vermeidbares Tor, denn die Wehener Defensive verhielt sich viel zu passiv, statt energisch zu stören.

Die rotschwarzen Jungs waren sichtlich geschockt, danach ging erst mal eine ganze Zeit lang gar nichts mehr. Die restlichen Höhepunkte der ersten Halbzeit sind schnell erzählt: einige kleinere und größere Fouls hüben wie drüben, eine lange Verletzungspause eines Fürther Spielers mit angedeuteter Auswechslung und anschließender Wunderheilung, endlich mal ein Torschuss von Sanibal Orahovac und in der Nachspielzeit noch ein gefährlicher Freistoß der Gäste, den Walke toll parierte.

Die zweite Halbzeit begann ebenfalls mit einem Paukenschlag. Stroh-Engel kam im Strafraum mit dem Kopf an den Ball und legte ab auf Orahovac, der souverän einnetzte. Dummerweise hat der Schiedsrichterassistent eine Abseitsstellung gesehen. Diese Meinung hatte er zwar exklusiv, aber der Schiedsrichter glaubte ihm, weshalb der Treffer nicht zählte. (Kleine Quizfrage am Rande: Vom wem stammt das Zitat „Haste Scheiße an den Hacken, haste Scheiße an den Hacken“?)

Das Team des SV Wehen Wiesbaden war aber offenbar gewillt, sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen zu lassen und spielte weiter druckvoll nach vorne. So entstanden auch einige mehr oder weniger klare Torchancen, aber wie schon so oft wollte kein Treffer gelingen. Nach einer knappen Stunde Spielzeit war der Ball dann doch wieder im Tor, Stroh-Engel hatte nach einem „Luftkampf“ mit Gästetorwart Loboué den Ball eingeschoben, und diesesmal zeigte der Schiedsrichter zur Mitte. Jubel im Stadion, wenn auch zunächst etwas ungläubig, denn es sah schon nach Bedrängem des Torwarts im Fünfmeterraum (also Foul) aus, aber die Geste des Schiedsrichters war eindeutig. Das sah offensichtlich auch die Stadionregie so, auf der Anzeigetafel blinkte groß „TOR“ auf und die bekannte, wenn auch viel zu selten gespielte Melodie von Scooter war zu hören. Aber erneut machte uns der Assistent vor der Haupttribüne einen Strich durch die Rechnung und überzeugte seinen Chef von der Regelwidrigkeit. Also doch nicht der Ausgleich, sondern Freistoß für die Gäste.

Die Wehener gaben jedoch nicht auf und drängten weiter, kamen zu Chancen und ließen fast keine Gelegenheiten durch die Fürther zu, die ihrerseits nur selten aus der eigenen Hälfte kamen und nur einen wirklich guten Konter fahren konnten, den Torschuss konnte aber Walke parieren. Gegen Ende hin wurden die Aktionen der Heimmannschaft zunehmend verzweifelter, also meistens hoch und lang, und zwischendurch winkte unser Lieblingsschiedsrichterassistent mit seinem Fähnchen. Öztürk hatte kurz vor Schluss noch eine große Chance, schoss aber am Tor vorbei. Letztlich blieb es beim unglücklichen 0:1.

Greuther Fürth hat punktemäßig zwar weiterhin Chancen im Aufstiegsrennen, wird aber mit so einer Leistung wie heute am Ende höchstens wieder nur Vierter werden. Der SV Wehen Wiesbaden verpasst einmal mehr die Chance, sich ein bisschen näher an den Relegationsplatz heranzuarbeiten. Die Gelegenheit war günstig, denn Osnabrück und Ingolstadt haben ebenfalls verloren, aber das Auslassen solcher Gelegenheiten zieht sich ja wie ein roter Faden durch die gesamte Saison. In der Tabelle ändert sich also nichts, wir haben weiterhin sieben Punkte Rückstand auf Platz 16 und mittlerweile sind es nur noch sechs Spiele. Wird eng.

Übrigens, für Freunde des gepflegten Aberglaubens: Marcus und ich, die wir beide das letzte, siegreiche Heimspiel gegen St. Pauli verpasst haben, waren heute wieder im Stadion. An welchem von uns beiden es liegt, werden wir im nächsten Heimspiel gegen Osnabrück sehen, das ich leider auch verpassen werde. Der Kampf um die goldene Pechmarie ist voll entbrannt!

Lebt denn der alte SVWW noch?

Nach dem heutigen 3:1-Sieg gegen den FC St. Pauli kann man wohl sagen: ja, er lebt noch!

Nach acht Niederlagen in Folge gab es endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis zu feiern, das Debüt von Sandro Schwarz auf der Trainerbank ist also geglückt.

Und ich bin fast geneigt zu sagen, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe – ich war übers Wochenende nämlich auf Reisen und somit nicht im Stadion und habe bisher auch noch nichts im TV gesehen. Das bisher einzige Heimspiel, das ich in dieser Saison verpasst habe, war jenes gegen den FSV Frankfurt in der Hinrunde – und es endete mit dem ersten Saisonsieg für den SVWW. Bin ich etwa ein Pechbringer? Nun ja, immerhin habe ich die beiden anderen Siege gegen Kaiserslautern und Aachen sowie sämtliche Siege im DFB-Pokal im Stadion gesehen, aber bei solchen markanten Ereignissen wie dem ersten Saisonsieg und dem ersten nach einer ewig erscheinenden Niederlagenserie macht man sich schon Gedanken. Und dass sich jetzt keiner über ein bisschen Aberglauben beim Fußball lustig macht, schließlich hat fast jeder Fan so seine persönlichen Rituale, von Spielern und Trainern ganz zu schweigen (siehe z. B. aktuell Peter Neururers Gang zum Friseur).

Aber völlig egal, endlich mal wieder wurde ein Dreier eingefahren. Einen Spielbericht gibt’s aus eben erwähnten Umständen von mir diesesmal nicht, dafür muss ich auf die SVWW-Homepage, den Wiesbadener Kurier, den kicker oder sonstige Medien verweisen.

Vom Wendepunkt oder dem Beginn des „Wunders von Wiesbaden“ werde ich hier auch noch nicht schreiben, das wäre nach einem Sieg wohl doch ein bisschen voreilig. Freuen wir uns lieber, dass die Mannschaft sich offensichtlich noch nicht aufgegeben hat und hoffen darauf, dass sie am Donnerstag in Ingolstadt gleich nachlegen kann.

Und falls es jemanden beruhigt: ich bin ab Mittwoch für ein paar Tage außer Landes.

Veröffentlicht in Spiele. Schlagworte: , , , , . 2 Kommentare »