The never-ending Abstiegskampf

Die Saison ist gerade mal sechs Spieltage alt und der SVWW steht schon wieder auf dem letzten Tabellenplatz. Damit ist mein Saisonziel, die Mannschaft möge nichts mit dem Abstieg zu tun haben, fürs erste in weite Ferne gerückt. Die Aussicht auf das morgige Spiel gegen Tabellenführer SV Sandhausen lässt auch nicht unbedingt auf das dringend benötigte Erfolgerlebnis, möglichst noch vor der Länderspielpause, hoffen.

Möglicherweise steht uns auch noch eine neuer Negativrekord bei der Zuschauerzahl bevor. Am Samstag beim 0:2 gegen Regensburg waren’s schon nur noch 2.500. Das könnte an einem Dienstagabend sogar noch unterboten werden. Immerhin werde ich selbst wieder vor Ort sein können, nachdem das letzte Wochenende mit Besuchen bei der Verwandtschaft „blockiert“ war. Als gutes Omen taugt meine Anwesenheit zwar bekanntlich nicht, aber schlimmer kann’s sowieso kaum noch werden.

Auf dem Heimweg nach dem vorletzten Heimspiel kam übrigens noch eine Alternative zum direkten Klassenerhalt ins Gespräch: wenn die erste Mannschaft absteigt, könnte ja vielleicht die Zweite aus der Regionalliga aufsteigen. Es würden quasi nur die Plätze getauscht, aber sich sonst nichts ändern. Mal ganz abgesehen davon, dass ein solches Szenario derzeit ziemlich unwahrscheinlich ist, da die Zweite ebenfalls im Tabellenkeller steckt – wäre das vom Reglement her überhaupt möglich? Oder verbietet das der DFB? Schließlich könnte ja gegen Saisonende der Verein auf die Idee kommen, möglichst viele der (vermeintlich besseren) Lizenzspieler in der Regionalliga aufzubieten, um dort den Aufstieg sicherzustellen. Und das wäre ja eventuell wettbewerbsverzerrend. Falls jemand was weiß, ich bin für Aufklärung dankbar.

Kleines Fazit

Zugegeben, nachdem das Saisonende schon einen Monat zurück liegt, bringt’s eine Analyse nicht mehr so wirklich. So glorreich, dass man noch lange in Erinnerungen schwelgen möchte, war’s ja nun auch nicht. Aber ein paar Sätze möchte ich dann doch noch loswerden.

Nachdem der SVWW in seiner ersten Zweitligasaison eine der positiven Überraschungen und nie wirklich in Abstiegsgefahr war (sondern im Gegenteil die meiste Zeit in der oberen Tabellenhälfte verbrachte), folgte danach ein Lehrstück aus der Kategorie „das zweite Jahr nach dem Aufstieg ist immer das schwerste“:

  • Der Überraschungseffekt aus der ersten Saison, in der viele Gegner den SVWW und seine Spielweise wohl kaum kannten, war vorbei.
  • Der Abgang von Maximilian Nicu (6 Tore und 11 Vorlagen in 07/08) konnte (auch verletzungsbedingt) weder durch Erwin Koen noch durch Sanibal Orahovac wirklich kompensiert werden.
  • Auch Benjamin Siegert konnte nicht so auftrumpfen wie im Vorjahr, sodass das einst so erfolgreiche schnelle Spiel über die Flügel kaum noch Gefahr vor dem gegnerischen Tor erzeugte.
  • Die Stürmer fielen in ein kollektives Formtief: Ronny König kam auf 6 Tore und 2 Vorlagen (wobei ein paar Tore erst in den letzten Spielen gelangen, als der Abstieg schon fest stand), während es in 07/08 noch 10 Tore und 5 Vorlagen ware. Bakary Diakité gelang gar nur ein einziges Tor (07/08: 7 Tore, 6 Vorlagen). Marcel Ziemer traf nach hoffnungsvollem Start quasi nicht mehr, Dominik Stroh-Engel auch nur höchst selten und von Dennis Schmidts Torausbeute reden wir lieber gar nicht erst.

Insgesamt wurden nur 28 Tore erzielt, während es im Vorjahr noch 47 eigene Treffer zu bejubeln gab. Die Defensive hingegen (49 Gegentore) war zum überwiegenden Teil nicht schlechter als in der Vorsaison (53). Wenn man die beiden derben Klatschen in Freiburg und Mainz (jeweils 0:5) mal außen vor lässt, war das durchaus zweitligatauglich, natürlich nicht zuletzt durch den überragenden Alexander Walke, der wohl als einziger konstant gute Leistungen gezeigt hat.

Es ist wohl nicht ganz verkehrt zu sagen, dass die mangelnde Offensivleistung der Mannschaft ein wesentlicher Grund für den Abstieg war. Zudem war zu lesen, dass wohl manchen Spielern der Ernst der Lage lange Zeit nicht bewusst war – sehr erstaunlich, stand die Mannschaft doch seit dem 5. Spieltag durchgehend auf einem Abstiegsplatz. Der Abstieg ist umso bitterer, da es aufgrund der neuen Abstiegsregel (2 Absteiger plus ein Relegationsplatz statt wie zuvor 4 direkte Absteiger) eigentlich leichter war, in der Liga zu bleiben – zumindest theoretisch.

Ganz sicher nicht hilfreich war so manche Aktion hinter den Kulissen. Da kamen interne Dokumente an die Öffentlichkeit und sorgten für Unruhe im und um den Verein, den Mitarbeitern der Geschäftsstelle wurden die Gehälter gekürzt, einige „überflüssige“ Spieler wurden vor die Tür gesetzt, man fand sich ein paar mal in Rechtsstreitigkeiten verwickelt (Kündigung von Aziz Ahanfouf, Ausstieg von Hauptsponsor Victor’s), Christian Hock wurde unter dem Vorwand seiner Trainerausbildung gefeuert, später müsste dann auch der neue Trainer Wolfgang Frank gehen und Sportdirektor Uwe Stöver gleich dazu, am Schluss schließlich Geschäftsführer Markus Irmscher. Man könnte auf die Idee kommen, dass Hankammer Junior dem Erbe seines Vaters nicht ganz gewachsen ist, aber was weiß ich schon. Sehr professionell und souverän wirkte die Vereinsführung jedoch nicht immer.

Die Saison war jedoch nicht nur schlecht. Ein Highlight waren sicherlich die tollen Spiele im DFB-Pokal mit den Siegen gegen Darmstadt, Aachen und Karlsruhe und schließlich dem Aus beim Hamburger SV.

Jetzt begrabe ich aber offiziell die Saison 08/09 und werde als nächstes den Blick wieder nach vorne richten. Gern zitiert wird in solchen Momenten „wer hinfällt, muss auch wieder aufstehen“. Also los.

Danke und bis bald, zweite Liga

Heute gab’s zum vorerst letzten mal Zweitligafußball in Wiesbaden und bei schönstem Sommerwetter kamen über nochmal über 10.000 Zuschauer zum Spiel gegen Hansa Rostock in den Filter. Allerdings muss man dazu sagen, dass mindestens die Hälfte davon aus Rostock kamen und einen sensationellen Support zeigten. Dass der Anhang des Gegners zahlenmäßig überlegen ist, haben wir ja schon einige Male erleben dürfen bzw. müssen (Mainz, Kaiserslautern, Mönchengladbach), aber was die Hanseaten an Stimmgewalt zu bieten hatten, war schon erstligareif. Das Gute daran war, dass das auch unsere Nordwand zu einer Topleistung motivierte, schließlich wollten wir ja zeigen, wer Herr im Hause ist.

Auf den Rängen also großes Kino, auf dem Rasen eher weniger. Rostock drohte noch die Relegation und spielte dementsprechend engagiert, Wehen Wiesbaden hatte Mühe dagegenzuhalten. Nach ein paar mehr oder weniger guten Chancen auf beiden Seiten (u. a. klärte Catic auf der Linie einen Kopfball nach Ecke), ging der SVWW durch Dominik Stroh-Engel in Führung. Natürlich großer Jubel auf Seiten der Wiesbadener mit der üblichen Tormusik, aber kurz darauf kam das bekannte „Dudübdübdüb…“ auch von der Südtribüne – Grund war die erste Einblendung der Zwischenergebnisse aus den anderen Stadien auf der Anzeigetafel, denn das 2:0 von Duisburg gegen Osnabrück bedeutete für Hansa schon fast den sicheren Klassenerhalt.

Der SVWW verteidigte den Vorsprung bis zur Halbzeit und überließ in der zweiten Hälfte das Spiel überwiegend den Gästen. Diese kamen Mitte der zweiten Halbzeit schließlich noch zum Ausgleich. Das Zuspiel sah zwar arg nach Abseits aus, aber darauf kam’s am Ende auch nicht mehr an. Endstand 1:1, die Rostocker feierten den Verbleib in der zweiten Liga. Dieser war für den SVWW ja schon seit Wochen außer Reichweite, aber just seit der Abstieg feststand, wurde kein Spiel mehr verloren. Zum richtigen Spielverderber wurden wir also nicht mehr, aber die Mannschaft hat sich wenigstens anständig verabschiedet.

Verabschiedet wurden vor dem Spiel auch zahlreiche Spieler, auch wenn bei den wenigsten schon feststeht, wo es in der nächsten Saison hingeht. Noch viel weniger steht fest, wie unser Kader für die kommende Drittligasaison aussehen wird, aber das schauen wir uns demnächst an.

Jetzt heißt es erst mal tschüß und vielen Dank für zwei Jahre zweite Liga. Auch wenn wir weniger Siege als Niederlagen erleben durften, waren doch einige großartige Spiele und Momente dabei. Auf dem einstmals weißen Fleck auf der Fußballlandkarte hat sich einiges entwickelt – ich hoffe, dass möglichst viel von der noch jungen Fankultur auch in der dritten Liga bewahrt werden kann. Und wer weiß, vielleicht geht’s in nicht allzu ferner Zukunft auch wieder aufwärts.

Einer geht noch – und zwar mit runter

Sportlich geht’s für den SVWW um nichts mehr, aber man darf wohl darauf hoffen, dass die Mannschaft sich in den verbleibenden drei Spielen trotzdem ordentlich präsentieren möchte. Abgesehen davon, dass es gegenüber den anderen Mannschaften unsportlich wäre, wenn man die letzten Spiele einfach herschenkte, und dass natürlich auch wir Zuschauer es verdient haben, eine engagierte Leistung gezeigt zu bekommen, wird aber auch jeder einzelne Spieler aus ganz eigennützigen Motiven möglichst gut spielen wollen – schließlich gilt es sich möglichen neuen Vereinen zu präsentieren. Oder, falls sich nichts besseres findet, wenigstens die Verantwortlichen des SV Wehen Wiesbaden zu überzeugen, einen neuen Vertrag anzubieten.

Ich für meinen Teil hege ja noch eine ganz niederträchtige Hoffnung und zwar dass wir wenigstens noch einen der letzten Gegner mit in die dritte Liga hinunterreißen. Durch den 1:0-Sieg bei Oberhausen wurden diese noch im Abstiegskampf aufgehalten (aktuell 38 Punkte), heute geht’s gegen 1860 München (37), am Sonntag gegen Augsburg (38) und nächste Woche am letzten Spieltag gegen Hansa Rostock (35) – dieses Spiel habe ich ja schon länger im Visier.  Koblenz auf Relegationsplatz 16 hat momentan 34 Punkte, d. h. dem einen oder anderen könnten wir durchaus noch die Suppe versalzen.

Klar, bringt uns auch nichts mehr, weiß ich selbst, aber mich würde das tatsächlich erheitern.

Auswärtssieg, Auswärtssieg!

Kleiner Treppenwitz auf dem Weg nach unten: Der SV Wehen Wiesbaden gewinnt zum ersten mal in dieser Saison ein Auswärtsspiel, aber durch den gleichzeitigen Sieg des VfL Osnabrück ist der Abstieg des SVWW nun auch rechnerisch gewiss.

Das I-Tüpfelchen dieser Ironie ist der Schütze des Siegtreffers: Ronny König, Torjäger und Held a. D., seit November letzten Jahres in der Liga ohne Treffer.

Immerhin, mit dem 1:0-Erfolg bei Rot-Weiß Oberhausen sieht die Auswärtsbilanz nicht mehr ganz so trostlos aus. Klar, völlig nebensächlich, aber wenn man als SVWW-Fan in dieser Saison noch einmal auf irgendetwas hoffen darf, dann verabschiedet sich die Mannschaft möglicherweise doch noch anständig und einigermaßen erhobenen Hauptes aus der zweiten Liga.