Der Deutsche Meister kommt

Zwar nicht gerade der aktuelle, aber immerhin der Meister von 1912, nämlich Holstein Kiel. Viel weniger hätte es zum zweiten Geburtstag der Brita-Arena auch wirklich nicht sein dürfen.

Außerdem war der Verein 1910 und 1930 Vizemeister. In grauer Vorzeit also recht erfolgreich. In den letzten Jahrzehnten pendelte man zwischen (der damals zweigleisigen) zweiten Liga, Regionalliga und Oberliga. In den vergangenen beiden Spielzeiten gelangen zwei Aufstiege in Folge und mittelfristig ist die zweite Liga wieder das Ziel. Dafür wurden halbwegs prominente Trainer verpflichtet, z. B. vor knapp einem Jahr der Bundesliga-erfahrene Falko Götz (samt Ex-Nationalspieler Andreas Thom als Co). Von Götz hat man sich allerdings vor kurzem getrennt, nachdem dieser angeblich in der Kabine handgreiflich gegen einen Spieler wurde und sich die Mannschaft danach geschlossen gegen den Trainer stellte. Neuer Trainer ist seit letzter Woche Christian Wück und verbreitet natürlich Optimismus.

So wie die Kieler Fans deshalb fest von einem Sieg oder wenigstens einem Punktgewinn in Wiesbaden ausgehen (zumindest in ihrem Forum), rechnen auch viele Wehener Anhänger mit einem problemlosen Pflichtsieg. Glücklicherweise sieht unser Trainer Hans Werner Moser die Angelegenheit ganz nüchtern und wird hoffentlich wieder die richtige Ansprache finden, damit seine Spieler nicht auf dumme Gedanken kommen.

Die beiden Stürmer Öztürk und Ziemer sind übrigens rechtzeitig wieder fit, sodass wahrscheinlich wieder die gleiche Mannschaft wie vor zwei Wochen gegen Dortmund auflaufen wird.

Der Trend spricht zumindest für einen Heimsieg: der SVWW hat seine letzten drei Heimspiele gewonnen, während Kiel die letzten drei Auswärtsspiele verloren hat.

Und der gefährliche Stürmer Berni Blindmann, der seinerzeit für eine Kiste Sprotten von Inter Mailand weggekauft wurde, spielt doch nicht mehr, oder?

Großer Jubel und seltsame Pfiffe

Hannibal Smith würde sagen: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“

Am Samstag ist der Plan für den SVWW im Spiel gegen den VfL Osnabrück genau aufgegangen. Das erfolgreiche Team der letzten Wochen startete erneut in der gleichen Aufstellung und zeigte vom Anpfiff weg, dass es seine Serie ausbauen wollte. Schon der erste Angriff nach vier Minuten resultierte im 1:0 durch Aykut Öztürk nach Flanke von Christian Kunert, zehn Minuten später ein weiterer schneller Angriff über Reinert und Ziegenbein und souverän vollstreckt von Marcel Ziemer. Nach einer Viertelstunde also schon 2:0 und das gegen Osnabrücker, die nach ihrem Pokalfight vom Mittwoch doch etwas müde wirkten. Die Gäste bemühten sich zwar, brachten aber kaum Gefahr vor das Wiesbadener Tor. Es gab im Gegenteil sogar noch weitere Chancen für Wehen, schon vor der Pause das 3:0 zu erzielen. Das folgte dann aber in der zweiten Halbzeit, die in gleichem Stil weiterging. Nachdem Öztürk erst noch unnötigerweise über den herausgelaufenen Gästetorwart Berbig fiel statt den Ball vorbeizulegen und kurz darauf einen „100-Prozenter“ ausließ, machte er es bei nächster Gelegenheit dafür umso schöner und traf mit einem Heber zum 3:0 in der 74. Minute. Drei Minuten später eine weitere ansehnliche Kombination mit doppeltem Doppelpass zwischen Reinert, Kunert und Öztürk, die dann Sebastian Reinert zum 4:0-Endstand abschloss.

Ein großartiger Auftritt unseres Teams gegen doch etwas platte Osnabrücker, der höchste Sieg in bisher zwei Jahren Brita-Arena, da könnte man doch von einem perfekten Fußballnachmittag sprechen? Auf dem Platz ja, aber auf den Rängen nein!

Zwischen dem ansonsten guten Support von der Nordwand meinte doch tatsächlich eine größere Gruppe in N6, die VfL-Spieler Schmidt und Siegert auspfeifen und beschimpfen zu müssen. Das ging schon bei der Aufstellung los und steigerte sich später in peinliche Schmähgesänge gegen diese beiden. Sagt mal, geht’s noch? Was soll das denn bitte schön? Ist das irgendein komischer Reflex, Spieler, die den Verein verlassen haben, pauschal scheiße zu finden? Man muss sie ja nicht unbedingt bejubeln (wobei Benjamin Siegert für seine großartige Saison 07/08 durchaus etwas Kredit verdient hätte), aber „A****loch“ und „H****sohn“??? Da fällt mir echt nichts mehr ein. Glücklicherweise bin ich mit dieser Meinung nicht alleine, meine Stehplatznachbarn empfanden das genauso. Da hätten unsere Capos übrigens auch ruhig mal etwas beruhigend eingreifen können, schade. Fast schon lustig war es, dass kein einziger Pfiff zu hören war, als Thomas Reichenberger eingewechselt wurde. Das kam sicherlich nicht daher, dass er noch beliebter als die beiden anderen ist, sondern weil die meisten der jugendlichen Krakeeler gar nicht wissen, dass Reichenberger in jungen Jahren auch mal auf dem Halberg spielte.

Davon will ich mir jetzt aber nicht die gute Laune verderben lassen. Am nächsten Samstag geht’s zur zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund, da sollte in der aktuellen Form auf jeden Fall was Zählbares zu holen sein.

Ich hab ja so keine Ahnung

Ok, ok, der eine oder andere Leser (mehr sind’s ja nicht) wird sich bei dieser Überschrift höchstens über die Selbsterkenntnis, nicht aber über die Aussage an sich wundern. Schon klar. Diese Woche wurde es aber mal wieder besonders deutlich.

Ab und zu schreibe ich eine Mail an diverse Freunde und Bekannte, die mich desöfteren ins Stadion begleiten, um die nächsten Spieltermine anzukündigen. In der letzten Mail dieser Art wies ich neben dem Spiel gegen Sandhausen auch auf das U21-Länderspiel zwischen Deutschland und Tschechien in der Brita-Arena hin. Dabei machte ich folgende launige Bemerkung:

Es ist zu vermuten, dass dort besserer Fußball als sonst an gleicher Stelle zu sehen sein wird.

Ha, weit gefehlt. Das Spiel war extrem dürftig – umso erschreckender, wenn man sich an den erst kürzlich errungenen Titel bei der letzten U21-EM erinnert. Außerdem war der Schiri noch nicht mal drittligareif und Support quasi nicht vorhanden. Ok, letzteres ist auch nicht ganz leicht, im Sitzen wird man doch schnell bequem, und wenn’s auf dem Feld nicht läuft, wird die Sache nicht einfacher. Gut, dass wir im Ligabetrieb unsere Stehtribünen haben. Hoffentlich nimmt uns der DFB die nicht eines Tages weg.

Einzig das Resultat, eine Niederlage für die Heimmannschaft, ist dem regelmäßigen Besucher der Brita-Arena nicht ganz unvertraut. Aber das ändert sich ja jetzt, Heimniederlagen sind ab sofort verboten. Sag ich mal so.

http://svww.wordpress.com/2009/09/02/sieh-mal-einer-an/

Das Ende der Brita-Arena?

Im Kader des SVWW zeigen sich angesichts des Abstiegs in die Drittklassigkeit Auflösungserscheinungen und zum (vorerst?) letzten Zweitligaspiel in der Brita-Arena gastiert ausgerechnet Hansa Rostock in Wiesbaden. Die Fans von der Ostsee sind ja dafür bekannt, dass sie auf der Tribüne gerne mal ein Feuerwerk abziehen (durchaus wörtlich zu verstehen) oder alternativ, beispielsweise bei Spielabsagen, auch mal unschuldige Bahnhöfe verwüsten. Letzteres wäre speziell im Falle des Wiesbadener Hauptbahnhofs schon sehr schade, schließlich wurde der ja vor gar nicht allzu langer Zeit renoviert und umgebaut. Ich bin jedenfalls mal sehr gespannt, ob wir am Sonntag mal wieder ein paar Bengalen im Gästeblock bewundern dürfen, wobei die meisten Hansis wohl eher Schiss hätten, dadurch einen Punktabzug und somit den Abstieg zu riskieren.

Hoffen wir mal, dass sie unseren Filter ganz lassen, der ist ja noch fast neu und den können wir schließlich auch nächstes Jahr noch brauchen. Andererseits gibt’s bei uns auch nur wenig Totenkopffahnen, das könnte zur Entspannung beitragen…

P. S.: Falls es jemand braucht: ;-)