Der Umbruch

Nach einem Abstieg folgt meistens ein großer Umbruch, so auch beim SVWW. Die Verträge der meisten Spieler galten nicht für die dritte Liga, sodass die Kaderplanung nahezu bei Null begann. Diejenigen, die den Kader zusammenstellen und die Verhandlungen führen durften, sind auch erst recht neu im Verein (Geschäftsführer Wolfgang Gräf) bzw. in der Rolle (Manager Bernhard Raab, Cheftrainer Hans Werner Moser, Co-Trainer Sandro Schwarz). Da war es auch kein großer Vorteil, dass man schon relativ früh für die dritte Liga planen konnte (eher: musste).

Schauen wir uns mal an, welche Spieler geblieben, welche gekommen und welche gegangen sind.

Tor:

  • Bei Alex Walke, der letztjährigen Nummer 1, war klar, dass er nicht mit in die dritte Liga gehen würde. Bei unserem besten Spieler der letzten Saison hätte ich auch einen Transfer in die erste Liga für möglich gehalten, aber er ist zu Hansa Rostock gewechselt. Dort kann er in der kommenden Saison eventuell um den Aufstieg mitspielen.
  • Thomas Richter, die Nummer 1 der vorletzten Saison, wollte auch nicht bleiben. Das hat mich ein bisschen überrascht, denn ich hätte mir vorstellen können, dass er nach Walkes Abgang wieder Stammtorwart wird. Bisher hat er noch keinen neuen Verein gefunden.
  • Die Trikotnummer 1 trägt nun Eric Domaschke, der von der zweiten Mannschaft von Bayer Leverkusen gekommen ist.
  • Mit Domaschke um den Stammplatz im Tor konkurriert Marc Birkenbach, der aus der zweiten Mannschaft zu den Profis aufrückt.
  • Außerdem hinzugekommen ist Mijo Marinovic aus dem Nachwuchs von Melbourne Victory. Ist wohl eher für die zweite Mannschaft gedacht.

Abwehr:

  • Dajan Simac ist zum FSV Frankfurt gewechselt und somit in der zweiten Liga geblieben. Allerdings könnte er dort gleich eine weitere Saison lang Abstiegskampf erleben.
  • Die zweite Stammkraft in der Innenverteidigung, Marko Kopilas, hat ebenfalls den Verein verlassen und ist zu den Offenbacher Kickers gewechselt.
  • Gegangen (worden) sind außerdem Nikolaos Nakas, Ales Kokot, Vlado Jeknic und Slobodan Lakicevic. Außer Kokot (in seine slowenische Heimat zu Interblock Ljubljana) haben sie noch keine neuen Vereine gefunden.
  • Gehalten wurden hingegen Kristjan Glibo, Fabian Schönheim, Torsten Barg und Torge Hollmann.
  • Neu hinzugekommen sind Benjamin Weigelt vom FC St. Pauli, Kai Gehring aus der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg sowie Lukas Billick und Tunay Acar aus der eigenen Zweiten.

Mittelfeld:

  • Sandro Schwarz wird wohl nicht mehr als Spieler auflaufen, sondern seine Karriere als Trainer fortsetzen. Zunächst kümmert er sich um den Trainerschein (bzw. erst mal die A-Lizenz) und ist nach dem Rollentausch mit Hans Werner Moser nun Co-Trainer.
  • Benjamin Siegert hatte sich insgeheim wohl mehr erhofft, wird aber nach seinem Wechsel zum Mitabsteiger VfL Osnabrück nächstes Jahr auch in der dritten Liga antreten.
  • Über den Verbleib von Sanibal Orahovac, Erwin Koen, Levan Tskitishvili und Madi ist bisher noch nichts bekannt, Hajrudin Catic wurde in die zweite Mannschaft abgeschoben. Patrick Bick, der schon im Winter ausgemustert und in der zweiten Mannschaft geparkt wurde, wechselt zu RB Leipzig.
  • Urgestein Sascha Amstätter, derzeit leider verletzt, hatte als einziger Spieler der ersten Mannschaft (außer Sandro Schwarz) schon vorher einen Vertrag, der auch für die dritte Liga gilt.
  • Die gegen Ende der letzten Saison aus der zweiten Mannschaft aufgerückten Aykut Öztürk, Björn Ziegenbein und Benjamin Hübner gehören nun fest zum Profikader.
  • Zum SVWW gewechselt sind Josip Landeka von den Stuttgarter Kickers, Sebastian Reinert von der zweiten Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern, Steffen Bohl vom VfR Aalen und Christian Kunert vom Chemnitzer FC.

Sturm:

  • Ronny König wollte „mindestens“ in der zweiten Liga spielen und wird das nach seinem Wechsel zu Rot-Weiß Oberhausen zumindest in der kommenden Saison auch tun.
  • Wo Bakary Diakité seine Karriere fortsetzen wird, ist noch unbekannt.
  • Marcel Ziemer würde gerne bleiben und der SVWW würde ihn auch gerne behalten, aber nach Ablauf seines Leihvertrags musste er erst mal zurück zum 1. FC Kaiserslautern. Der FCK möchte wohl eine Ablöse haben, die der SVWW aber nicht zahlen will. Abzuwarten, ob man sich da noch einigen kann.
  • Dennis Schmidt, vor anderthalb Jahren von Bayer Leverkusen ausgeliehen, ist zum VfL Osnabrück gegangen.
  • Geblieben ist Dominik Stroh-Engel, der sich in der letzten Saison in der ersten Mannschaft etabliert hat.
  • Neu hinzugekommen sind Danko Boskovic vom SV Sandhausen und Jovan Damjanovic vom Drittligaaufsteiger SC Paderborn. Boskovic hat zu Regionalligazeiten schon mal eine erfolgreiche Saison für den SV Wehen gespielt (2004/05: 12 Tore bei 26 Einsätzen).

Erwähnenswert ist noch, dass sämtliche Transfers, sowohl gehend als auch kommend, ablösefrei vollzogen wurden.

Insgesamt wurde ein sehr junger Kader zusammengestellt, der in seinem Durchschnittsalter von knapp 24 Jahren nur von den jeweiligen zweiten Mannschaften der Bundesligisten in der Liga unterboten wird (die aber im wesentlichen aus U23-Spielern bestehen müssen). Es sind aber auch einige erfahrene Spieler dabei, besonders in der Defensive (z. B. Glibo, Hollmann), was sicherlich ein guter Plan ist, um den jüngeren Spielern Sicherheit zu geben.

Bei den Nachwuchskräften, die wir letztes Jahr schon im Dress des SVWW sehen konnten (Schönheim, Öztürk, Ziegenbein, Hübner), bin ich sicher, dass da noch einiges Potential schlummert. Ich gebe zu, dass ich von den Neuzugängen nur die wenigsten vorher kannte, aber ich hoffe natürlich, dass diese sich als wirkliche Verstärkungen erweisen oder zumindest eine gute Entwicklung einschlagen. Eine positive Entwicklung erhoffe ich mir auch bei der Spielweise, denn diese war letzte Saison häufig doch sehr einfallslos und deprimierend.

Als Absteiger gehört man häufig eher zu den Ligafavoriten, aber das sehe ich beim SVWW sicher nicht so. Ich wäre glücklich, wenn sich die Mannschaft möglichst schnell findet, passablen Fußball zeigt und nichts mit dem Abstieg zu tun hat. Wenn sich das junge Team in der oberen Tabellenhälfte platzieren könnte, wäre das sicherlich ein toller Erfolg. Vorher müssen aber erst mal 38 Partien gespielt werden – über die ich auch zukünftig wieder regelmäßig berichten werde.

Kleines Fazit

Zugegeben, nachdem das Saisonende schon einen Monat zurück liegt, bringt’s eine Analyse nicht mehr so wirklich. So glorreich, dass man noch lange in Erinnerungen schwelgen möchte, war’s ja nun auch nicht. Aber ein paar Sätze möchte ich dann doch noch loswerden.

Nachdem der SVWW in seiner ersten Zweitligasaison eine der positiven Überraschungen und nie wirklich in Abstiegsgefahr war (sondern im Gegenteil die meiste Zeit in der oberen Tabellenhälfte verbrachte), folgte danach ein Lehrstück aus der Kategorie „das zweite Jahr nach dem Aufstieg ist immer das schwerste“:

  • Der Überraschungseffekt aus der ersten Saison, in der viele Gegner den SVWW und seine Spielweise wohl kaum kannten, war vorbei.
  • Der Abgang von Maximilian Nicu (6 Tore und 11 Vorlagen in 07/08) konnte (auch verletzungsbedingt) weder durch Erwin Koen noch durch Sanibal Orahovac wirklich kompensiert werden.
  • Auch Benjamin Siegert konnte nicht so auftrumpfen wie im Vorjahr, sodass das einst so erfolgreiche schnelle Spiel über die Flügel kaum noch Gefahr vor dem gegnerischen Tor erzeugte.
  • Die Stürmer fielen in ein kollektives Formtief: Ronny König kam auf 6 Tore und 2 Vorlagen (wobei ein paar Tore erst in den letzten Spielen gelangen, als der Abstieg schon fest stand), während es in 07/08 noch 10 Tore und 5 Vorlagen ware. Bakary Diakité gelang gar nur ein einziges Tor (07/08: 7 Tore, 6 Vorlagen). Marcel Ziemer traf nach hoffnungsvollem Start quasi nicht mehr, Dominik Stroh-Engel auch nur höchst selten und von Dennis Schmidts Torausbeute reden wir lieber gar nicht erst.

Insgesamt wurden nur 28 Tore erzielt, während es im Vorjahr noch 47 eigene Treffer zu bejubeln gab. Die Defensive hingegen (49 Gegentore) war zum überwiegenden Teil nicht schlechter als in der Vorsaison (53). Wenn man die beiden derben Klatschen in Freiburg und Mainz (jeweils 0:5) mal außen vor lässt, war das durchaus zweitligatauglich, natürlich nicht zuletzt durch den überragenden Alexander Walke, der wohl als einziger konstant gute Leistungen gezeigt hat.

Es ist wohl nicht ganz verkehrt zu sagen, dass die mangelnde Offensivleistung der Mannschaft ein wesentlicher Grund für den Abstieg war. Zudem war zu lesen, dass wohl manchen Spielern der Ernst der Lage lange Zeit nicht bewusst war – sehr erstaunlich, stand die Mannschaft doch seit dem 5. Spieltag durchgehend auf einem Abstiegsplatz. Der Abstieg ist umso bitterer, da es aufgrund der neuen Abstiegsregel (2 Absteiger plus ein Relegationsplatz statt wie zuvor 4 direkte Absteiger) eigentlich leichter war, in der Liga zu bleiben – zumindest theoretisch.

Ganz sicher nicht hilfreich war so manche Aktion hinter den Kulissen. Da kamen interne Dokumente an die Öffentlichkeit und sorgten für Unruhe im und um den Verein, den Mitarbeitern der Geschäftsstelle wurden die Gehälter gekürzt, einige „überflüssige“ Spieler wurden vor die Tür gesetzt, man fand sich ein paar mal in Rechtsstreitigkeiten verwickelt (Kündigung von Aziz Ahanfouf, Ausstieg von Hauptsponsor Victor’s), Christian Hock wurde unter dem Vorwand seiner Trainerausbildung gefeuert, später müsste dann auch der neue Trainer Wolfgang Frank gehen und Sportdirektor Uwe Stöver gleich dazu, am Schluss schließlich Geschäftsführer Markus Irmscher. Man könnte auf die Idee kommen, dass Hankammer Junior dem Erbe seines Vaters nicht ganz gewachsen ist, aber was weiß ich schon. Sehr professionell und souverän wirkte die Vereinsführung jedoch nicht immer.

Die Saison war jedoch nicht nur schlecht. Ein Highlight waren sicherlich die tollen Spiele im DFB-Pokal mit den Siegen gegen Darmstadt, Aachen und Karlsruhe und schließlich dem Aus beim Hamburger SV.

Jetzt begrabe ich aber offiziell die Saison 08/09 und werde als nächstes den Blick wieder nach vorne richten. Gern zitiert wird in solchen Momenten „wer hinfällt, muss auch wieder aufstehen“. Also los.

Immerhin schönes Wetter

Nach einer kurzen betriebsbedingten Pause geht’s hier endlich mal weiter und zwar mit einem kleinen Bericht zum Spiel des SVWW gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth. Die Franken waren heute zu Gast in der Brita-Arena und machen sich – mal wieder – Aufstiegshoffnungen. In der Vergangenheit haben die Fürther den Aufstieg in die erste Liga schon x-mal als Vierter knapp verpasst, sind quasi das Leverkusen der zweiten Liga, und auch aktuell stehen sie wieder auf dem vierten Rang der Tabelle.

Das Spiel war gerade mal vier Minuten alt, als es schon den ersten Aufreger gab: Fürths Toptorjäger Allagui nahm den Rempler von Simac im Strafraum dankbar an und prompt gab es Strafstoß für die Gäste. Bernd Nehrig, der in dieser Saison bisher alle drei Versuche  verwandelte, trat an, aber Alex Walke konnte den Schuss abwehren. Durchatmen, doch kein Rückstand ehe das Spiel richtig begonnen hatte. Wehen legte daraufhin den Vorwärtsgang ein, kam meistens recht zügig über außen in die gegnerische Hälfte und ein paar mal segelte der Ball gefährlich quer durch den Fürther Strafraum. Dominik Stroh-Engel hatte die Führung auf dem Kopf, verpasste aber eine Flanke knapp.

Gerade als man sich daran gewöhnt hatte, dass das Spiel des Tabellenschlusslichts tatsächlich nach Fußball aussah und annahm, dass früher oder später eigentlich ein Treffer für die Gastgeber fallen müsste, gab es die kalte Dusche in Form des 0:1. Nehrig wurde kaum beim Dribbling gestört und konnte schließlich von der Torauslinie in die Mitte passen, wo der ebenfalls völlig unbedrängt Cidimar nur noch einschieben brauchte. Ein absolut vermeidbares Tor, denn die Wehener Defensive verhielt sich viel zu passiv, statt energisch zu stören.

Die rotschwarzen Jungs waren sichtlich geschockt, danach ging erst mal eine ganze Zeit lang gar nichts mehr. Die restlichen Höhepunkte der ersten Halbzeit sind schnell erzählt: einige kleinere und größere Fouls hüben wie drüben, eine lange Verletzungspause eines Fürther Spielers mit angedeuteter Auswechslung und anschließender Wunderheilung, endlich mal ein Torschuss von Sanibal Orahovac und in der Nachspielzeit noch ein gefährlicher Freistoß der Gäste, den Walke toll parierte.

Die zweite Halbzeit begann ebenfalls mit einem Paukenschlag. Stroh-Engel kam im Strafraum mit dem Kopf an den Ball und legte ab auf Orahovac, der souverän einnetzte. Dummerweise hat der Schiedsrichterassistent eine Abseitsstellung gesehen. Diese Meinung hatte er zwar exklusiv, aber der Schiedsrichter glaubte ihm, weshalb der Treffer nicht zählte. (Kleine Quizfrage am Rande: Vom wem stammt das Zitat „Haste Scheiße an den Hacken, haste Scheiße an den Hacken“?)

Das Team des SV Wehen Wiesbaden war aber offenbar gewillt, sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen zu lassen und spielte weiter druckvoll nach vorne. So entstanden auch einige mehr oder weniger klare Torchancen, aber wie schon so oft wollte kein Treffer gelingen. Nach einer knappen Stunde Spielzeit war der Ball dann doch wieder im Tor, Stroh-Engel hatte nach einem „Luftkampf“ mit Gästetorwart Loboué den Ball eingeschoben, und diesesmal zeigte der Schiedsrichter zur Mitte. Jubel im Stadion, wenn auch zunächst etwas ungläubig, denn es sah schon nach Bedrängem des Torwarts im Fünfmeterraum (also Foul) aus, aber die Geste des Schiedsrichters war eindeutig. Das sah offensichtlich auch die Stadionregie so, auf der Anzeigetafel blinkte groß „TOR“ auf und die bekannte, wenn auch viel zu selten gespielte Melodie von Scooter war zu hören. Aber erneut machte uns der Assistent vor der Haupttribüne einen Strich durch die Rechnung und überzeugte seinen Chef von der Regelwidrigkeit. Also doch nicht der Ausgleich, sondern Freistoß für die Gäste.

Die Wehener gaben jedoch nicht auf und drängten weiter, kamen zu Chancen und ließen fast keine Gelegenheiten durch die Fürther zu, die ihrerseits nur selten aus der eigenen Hälfte kamen und nur einen wirklich guten Konter fahren konnten, den Torschuss konnte aber Walke parieren. Gegen Ende hin wurden die Aktionen der Heimmannschaft zunehmend verzweifelter, also meistens hoch und lang, und zwischendurch winkte unser Lieblingsschiedsrichterassistent mit seinem Fähnchen. Öztürk hatte kurz vor Schluss noch eine große Chance, schoss aber am Tor vorbei. Letztlich blieb es beim unglücklichen 0:1.

Greuther Fürth hat punktemäßig zwar weiterhin Chancen im Aufstiegsrennen, wird aber mit so einer Leistung wie heute am Ende höchstens wieder nur Vierter werden. Der SV Wehen Wiesbaden verpasst einmal mehr die Chance, sich ein bisschen näher an den Relegationsplatz heranzuarbeiten. Die Gelegenheit war günstig, denn Osnabrück und Ingolstadt haben ebenfalls verloren, aber das Auslassen solcher Gelegenheiten zieht sich ja wie ein roter Faden durch die gesamte Saison. In der Tabelle ändert sich also nichts, wir haben weiterhin sieben Punkte Rückstand auf Platz 16 und mittlerweile sind es nur noch sechs Spiele. Wird eng.

Übrigens, für Freunde des gepflegten Aberglaubens: Marcus und ich, die wir beide das letzte, siegreiche Heimspiel gegen St. Pauli verpasst haben, waren heute wieder im Stadion. An welchem von uns beiden es liegt, werden wir im nächsten Heimspiel gegen Osnabrück sehen, das ich leider auch verpassen werde. Der Kampf um die goldene Pechmarie ist voll entbrannt!

Murmeltiertag

„Es wird kalt werden und es wird grau werden und dieser Winter wird niemals zu Ende gehen.“

Mir fallen noch ein paar andere Zitate aus „Und täglich grüßt das Murmeltier“ ein, die ganz gut zum letzten Sonntag und der Situation des SVWW passen würden. Aber jetzt wollen wir den Vergleich mal nicht überstrapazieren. Fakt ist, dass das mal wieder ein souveräner Griff ins Klo war.

Es fing eigentlich nicht ganz so schlecht an und es war auch nicht ganz so kalt wie beim letzten Heimspiel gegen Oberhausen. Nach ein paar Minuten gab’s auch schon eine Chance nach einem schnellen Konter über Orahovac auf links, der schön zum freigelaufenen Siegert auf der rechten flankte. Der zog direkt ab, aber leider vorbei. Kurz danach noch ein Freistoß von Koen übers Tor, aber das sollten für längere Zeit die einzigen nennenswerten Szenen bleiben, denn in der Folge gab’s auf beiden Seiten haarsträubende Fehlpässe, reichlich Zweikämpfe und demzufolge wenig Spielfluss. Die Augsburger kamen auch ein paar mal Richtung Tor, aber so richtig gefährlich wurde es eigentlich nicht. Keine Ahnung, wie der kicker-Reporter zu seiner verhältnismäßig positiven Meinung („ein zwar nicht hochklassiges, keinesfalls aber unattraktives Zweitligaspiel“) kommt – ich fand’s ziemlich gruselig.

In der zweiten Halbzeit kam dann Torge Hollmann für Kapitän Sandro Schwarz, aber bevor man überlegen konnte, ob das jetzt ein Aufbruchsignal sein könnte, erzielte Augsburg nach Freistoß das 1:0. Ein paar Minuten später folgte gleich das 2:0 durch Foulelfmeter. Torschütze übrigens der allseits geschätzte Sportkamerad Thurk, der seitens der Wehener Anhängerschaft mit der traditionellen Grußformel „Thurk Du Sau“ regelmäßig angefeuert wurde. Wie auch immer, plötzlich 0:2 hinten, da war auch Trainer Hock klar, dass man mit Defensivarbeit alleine nicht mehr zu Punkten kommen würde. Also zwei Stürmer rein: wie gewohnt Dennis Schmidt und zudem durfte Dominik Stroh-Engel, sonst in der Regionalliga-Mannschaft aktiv, in der zweiten Liga debütieren. (Leider sind Namenswitze verpönt – wäre doch zu schön gewesen, so im Advent.) Raus gingen dafür Erwin Koen und Nikolaos Nakas (nein, ich sag nix). Absolut sinnvolle Wechsel, fielen diese beiden in einer insgesamt schlechten Mannschaft noch deutlich ab. Gleich die erste Aktion der beiden Eingewechselten war ein schönes Zusammenspiel: Stroh-Engel steckt durch zu Schmidt, der frei vor Neuhaus zum Schuss kommt – und nur den Torwart trifft. Wie gewohnt, könnte man hinzufügen. Der Bursche ist zwar immer sehr engagiert, aber so richtig torgefährlich ist er nicht. Letzte Saison ein Tor, diese noch keins, dabei kommt er auf ziemlich viele Einsätze. Zwar nur selten von Anfang an, aber auch als Einwechselspieler ist es nicht verboten, das Tor zu treffen. Wie auch immer, der Plan mit dem 4-3-3 war nach ein paar Minuten schon wieder hinfällig, als Michael Thurk abgeräumt wurde und der bereits verwarnte Madi dafür die Gelb-Rote Karte sah. Thurk musste verletzungsbedingt ausgewechselt werden, was die Nordtribüne zum Ausdruck größten Bedauerns veranlasste  („er spielt nie wieder Fußball, nie wieder Fuuuuußball…“). Die Unterzahl war beim Vorhaben, einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen, allerdings doch arg hinderlich. Augsburg hatte weitere Chancen, das Spiel war eigentlich gelaufen. Hoffnung kam aber trotzdem nochmal auf, als Stroh-Engel nach einem Freistoß von Siegert per Kopf traf. Aber bekanntlich klappt sowas nicht jede Woche und entsprechend blieb es bei ein paar verzweifelten langen Bällen Richtung Strafraum.

Also mal wieder nichts gewesen mit den Big Points, dabei war der Spieltag eigentlich wie gemacht für einen Sprung nach oben. Koblenz, Rostock und Oberhausen haben nicht ganz unerwartet verloren, da hätten wir schön vorbeiziehen können. Verdammte [an dieser Stelle bitte eine Reihe von Schimpfwörtern nach Wahl einsetzen]!

Nochwas zum Fanblock. Aus mir unbekannten Gründen war unser Vorsänger Benny in der ersten Halbzeit nicht auf dem Stuhl, was folgende Effekte hatte:

  1. Verwirrung
  2. Anfangs sehr mäßiger, später etwas besserer, aber insgesamt recht mauer Support (an dieser Stelle könnte man sich jetzt mit dem Titelthema der aktuellen „11 Freunde“ beschäftigen)
  3. Ein neues Lied: „Ohne Benny ist hier gar nichts los“

In der zweiten Halbzeit tauchte er dann doch noch auf. Dummerweise waren die beiden Gegentore direkt nach der Pause nicht gerade der Stimmung förderlich. Falls das irgendwie eine Protestaktion war, ging das in meinen Augen nach hinten los.