Tore, bitte!

Drei Spiele, null Tore, ein Punkt – das ist die Bilanz der letzten drei Partien des SVWW in der dritten Liga. War die 0:2-Niederlage in Burghausen und das Ende der hübschen Serie von zuvor sieben ungeschlagenen Spielen noch irgendwie akzeptabel, so war das dürftige 0:0 zuhause gegen Braunschweig schon einigermaßen enttäuschend. Einen Tiefpunkt erlebte das Team dann mit einer 0:5-Klatsche bei der zweiten Mannschaft von Werder Bremen.

Es ist müßig, jetzt noch groß auf diesen schwachen Spielen herumzureiten. Letztlich war klar, dass es auch mal wieder schwächere Phasen geben wird, ist das junge Team doch immer noch am Lernen und Wachsen und da müssen Leistungsschwankungen einfach einkalkuliert werden. Zumindest kann man – bis aus weiteres – getrost die Hoffnung auf ein Heranpirschen an die Aufstiegsplätze wieder ad acta legen und sich auf das berühmte gesicherte Mittelfeld konzentrieren. Punktemäßig liegt der SVWW aktuell genau in der Mitte des Tableaus, mit gleichem Abstand zu Platz 3 wie zu Platz 16.

Allerdings müsste so langsam mal wieder ein Dreier eingefahren werden, sonst hängt man doch schnell wieder unten drin – und das muss ja nun wirklich nicht sein.

Die beste Gelegenheit zum Siegen ist natürlich die nächste und in unserem Fall ist das das Heimspiel gegen die Offenbacher Kickers heute Abend. Zum Hessen-Derby wird die Brita-Arena endlich mal wieder tüchtig voll werden, erwartet werden an die 9.000 Zuschauer.

Schwierig wird’s gegen den Tabellenführer (bei dem unser früherer Abwehrchef Marko Kopilas für die wenigsten Gegentore der Liga mitverantwortlich ist) allemal, keine Frage, aber dass die Jungs das Toreschießen nicht völlig verlernt haben, konnte man im Testspiel gegen den FSV Frankfurt letzte Woche sehen. Mit 4:0 wurde der Noch-Zweitligist vom Halberg wieder heimgeschickt. Klar, nur ein Testspiel, aber nach einer angeblich sehr intensiven Trainingswoche ließ sich das Spiel der Rotschwarzen doch ganz gut anschauen.

Das letzte Spiel gegen Offenbach ging übrigens 2:1 für den SVWW aus – ein Ergebnis, mit dem ich mich heute Abend auch anfreunden könnte.

Erst Regen, dann Sonne. Die Serie hält.

Damit ist auch schon das Wesentliche zum gestrigen Spiel gegen Holstein Kiel gesagt.

Bei sehr herbstlichem Wetter sahen 3.500 Zuschauer eine ziemlich bescheidene erste Halbzeit. Klassischer Fall von „schwach angefangen und dann stark nachgelassen“. Der SV Wehen-Wiesbaden hatte kaum eine vernünftige Torchance, aber wenigstens hielt Torwart Erik Domaschke bei einigen Gelegenheiten der Kieler seinen Kasten sauber (oder die Holsteiner schossen gleich selbst vorbei). Auf den Rängen bot sich ein Spiegelbild des Spiels unseres Teams: bemüht, aber irgendwie wollte die Stimmung nicht so recht zünden.

Die Halbzeitanalyse zwischen Nordtribüne und Bierstand kam zum Ergebnis: wenn sich nichts am Spiel änderte, würden wir das Ende unserer feinen Serie erleben. Es sei denn, Trainer Hans Werner Moser würde die Mannschaft in der Kabine ordentlich anpfeifen und/oder erklären, wie es anders (also richtig) zu laufen habe.

Glücklicherweise muss Letzteres der Fall gewesen sein, denn der SVWW war in der zweiten Spielhälfte kaum wiederzuerkennen. Oder genau genommen erkannte man jetzt den SVWW der letzten Wochen wieder. Präsenter in den Zweikämpfen, klarerer Spielaufbau und mehr Zug zum Tor. Nach ein paar ungenutzten Kopfballmöglichkeiten gab es nach einem Foul im Strafraum an Aykut Öztürk Elfmeter. Vorausgegangen war ein von Fabian Schönheim initiierter Konter. Zum dritten Mal in dieser Saison trat Björn Ziegenbein an und zum dritten Mal verwandelte er. Beim späteren Betrachten des Sportschau-Berichts konnte man allerdings Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Strafstoßes bekommen. Während des Spiels war das dem Team und den Zuschauern natürlich reichlich egal, genauso wie der Umstand, dass auch bei Ziegenbeins Schuss ein bisschen Glück dabei war, denn der Torwart war noch am Ball. Sei’s drum, der Ball zappelte im Netz, 1:0 für Wehen. Keine zehn Minuten später folgte das 2:0 und das war vom Allerfeinsten: Abschlag von Domaschke, Ziemer verlängert mit dem Kopf, Öztürk nimmt den Ball mit dem Rücken zum Tor mit der Brust an, lupft den Ball über seinen Gegenspieler, dreht sich um diesen herum und schiebt frei vor dem Torwart souverän ein. Ein herrlicher Treffer. Wer’s noch nicht gesehen hat, dem sei nochmals die Sportschau empfohlen (keine Ahnung, wie lange die TV-Beiträge dort abrufbar sind, also im Zweifelsfall eher beeilen).

In der Nachspielzeit fiel dann unnötigerweise noch ein Tor für Kiel, was sowohl das schöne „zu null“ als auch die Punkt- und Torgleichheit mit Osnabrück (und den gemeinsamen 8. Tabellenplatz) versaute, aber egal, entscheidend sind die drei Punkte.

Der aktuelle 9. Platz bedeutet übrigens die erste einstellige Platzierung seit dem letzten Spieltag der Saison 2007/08. Bis Platz 3 sind es nur noch drei Punkte Abstand, da kann man ja mal ein paar Tage von mehr träumen. Bis dann ab Montag Trainer Moser wieder alle auf den Boden zurückholt, eine Woche konzentriert mit dem Team arbeitet und nächste Woche die Serie weiter ausbaut.

Der Deutsche Meister kommt

Zwar nicht gerade der aktuelle, aber immerhin der Meister von 1912, nämlich Holstein Kiel. Viel weniger hätte es zum zweiten Geburtstag der Brita-Arena auch wirklich nicht sein dürfen.

Außerdem war der Verein 1910 und 1930 Vizemeister. In grauer Vorzeit also recht erfolgreich. In den letzten Jahrzehnten pendelte man zwischen (der damals zweigleisigen) zweiten Liga, Regionalliga und Oberliga. In den vergangenen beiden Spielzeiten gelangen zwei Aufstiege in Folge und mittelfristig ist die zweite Liga wieder das Ziel. Dafür wurden halbwegs prominente Trainer verpflichtet, z. B. vor knapp einem Jahr der Bundesliga-erfahrene Falko Götz (samt Ex-Nationalspieler Andreas Thom als Co). Von Götz hat man sich allerdings vor kurzem getrennt, nachdem dieser angeblich in der Kabine handgreiflich gegen einen Spieler wurde und sich die Mannschaft danach geschlossen gegen den Trainer stellte. Neuer Trainer ist seit letzter Woche Christian Wück und verbreitet natürlich Optimismus.

So wie die Kieler Fans deshalb fest von einem Sieg oder wenigstens einem Punktgewinn in Wiesbaden ausgehen (zumindest in ihrem Forum), rechnen auch viele Wehener Anhänger mit einem problemlosen Pflichtsieg. Glücklicherweise sieht unser Trainer Hans Werner Moser die Angelegenheit ganz nüchtern und wird hoffentlich wieder die richtige Ansprache finden, damit seine Spieler nicht auf dumme Gedanken kommen.

Die beiden Stürmer Öztürk und Ziemer sind übrigens rechtzeitig wieder fit, sodass wahrscheinlich wieder die gleiche Mannschaft wie vor zwei Wochen gegen Dortmund auflaufen wird.

Der Trend spricht zumindest für einen Heimsieg: der SVWW hat seine letzten drei Heimspiele gewonnen, während Kiel die letzten drei Auswärtsspiele verloren hat.

Und der gefährliche Stürmer Berni Blindmann, der seinerzeit für eine Kiste Sprotten von Inter Mailand weggekauft wurde, spielt doch nicht mehr, oder?

Großer Jubel und seltsame Pfiffe

Hannibal Smith würde sagen: „Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.“

Am Samstag ist der Plan für den SVWW im Spiel gegen den VfL Osnabrück genau aufgegangen. Das erfolgreiche Team der letzten Wochen startete erneut in der gleichen Aufstellung und zeigte vom Anpfiff weg, dass es seine Serie ausbauen wollte. Schon der erste Angriff nach vier Minuten resultierte im 1:0 durch Aykut Öztürk nach Flanke von Christian Kunert, zehn Minuten später ein weiterer schneller Angriff über Reinert und Ziegenbein und souverän vollstreckt von Marcel Ziemer. Nach einer Viertelstunde also schon 2:0 und das gegen Osnabrücker, die nach ihrem Pokalfight vom Mittwoch doch etwas müde wirkten. Die Gäste bemühten sich zwar, brachten aber kaum Gefahr vor das Wiesbadener Tor. Es gab im Gegenteil sogar noch weitere Chancen für Wehen, schon vor der Pause das 3:0 zu erzielen. Das folgte dann aber in der zweiten Halbzeit, die in gleichem Stil weiterging. Nachdem Öztürk erst noch unnötigerweise über den herausgelaufenen Gästetorwart Berbig fiel statt den Ball vorbeizulegen und kurz darauf einen „100-Prozenter“ ausließ, machte er es bei nächster Gelegenheit dafür umso schöner und traf mit einem Heber zum 3:0 in der 74. Minute. Drei Minuten später eine weitere ansehnliche Kombination mit doppeltem Doppelpass zwischen Reinert, Kunert und Öztürk, die dann Sebastian Reinert zum 4:0-Endstand abschloss.

Ein großartiger Auftritt unseres Teams gegen doch etwas platte Osnabrücker, der höchste Sieg in bisher zwei Jahren Brita-Arena, da könnte man doch von einem perfekten Fußballnachmittag sprechen? Auf dem Platz ja, aber auf den Rängen nein!

Zwischen dem ansonsten guten Support von der Nordwand meinte doch tatsächlich eine größere Gruppe in N6, die VfL-Spieler Schmidt und Siegert auspfeifen und beschimpfen zu müssen. Das ging schon bei der Aufstellung los und steigerte sich später in peinliche Schmähgesänge gegen diese beiden. Sagt mal, geht’s noch? Was soll das denn bitte schön? Ist das irgendein komischer Reflex, Spieler, die den Verein verlassen haben, pauschal scheiße zu finden? Man muss sie ja nicht unbedingt bejubeln (wobei Benjamin Siegert für seine großartige Saison 07/08 durchaus etwas Kredit verdient hätte), aber „A****loch“ und „H****sohn“??? Da fällt mir echt nichts mehr ein. Glücklicherweise bin ich mit dieser Meinung nicht alleine, meine Stehplatznachbarn empfanden das genauso. Da hätten unsere Capos übrigens auch ruhig mal etwas beruhigend eingreifen können, schade. Fast schon lustig war es, dass kein einziger Pfiff zu hören war, als Thomas Reichenberger eingewechselt wurde. Das kam sicherlich nicht daher, dass er noch beliebter als die beiden anderen ist, sondern weil die meisten der jugendlichen Krakeeler gar nicht wissen, dass Reichenberger in jungen Jahren auch mal auf dem Halberg spielte.

Davon will ich mir jetzt aber nicht die gute Laune verderben lassen. Am nächsten Samstag geht’s zur zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund, da sollte in der aktuellen Form auf jeden Fall was Zählbares zu holen sein.

Da ist doch was faul

Mittlerweile ist meine Freude über den gestrigen 2:0-Sieg gegen Aue schon fast vollständig einer Art von Misstrauen gewichen. Zweiter Heimsieg in Folge? Drei Spiele ohne Niederlage? Schon wieder kein Gegentor? Und das ganze obendrein nicht durch Dusel oder Phantomtore, sondern mit ordentlichem Fußball und herausgespielten Toren?

Das muss einem als SVWW-Anhänger doch verdächtig vorkommen!

Oder hat die Mannschaft tatsächlich schlicht und einfach die Kurve gekriegt, sich mittlerweile gefunden und startet gerade eine Serie, die sie flugs im gesicherten Mittelfeld auftauchen lässt?

Abwarten. Jetzt genießen wir erst mal den Augenblick und freuen uns, dass der SVWW nicht mehr auf einem deprimierenden Abstiegsplatz steht. Folgerichtig hat Trainer HWM erkannt:

„Heute können wir uns freuen, morgen vielleicht auch noch. Aber wir müssen weiterarbeiten.“

Allerdings, Füße hochlegen ist nicht. Aber so blöd werden Trainer und Mannschaft auch nicht sein, da bin ich mal ganz zuversichtlich.

Interessant finde ich die Berichterstattung beim kicker, denn der Spielbericht enthält gleich mehrere Fehler:

  • „Nach einem langen Abschlag von Keeper Domaschke stand Ziegenbein knapp 20 Meter vor dem Tor völlig frei und schloss ab.“ Hört sich ja so, als sei sonst kein Spieler mehr dazwischen gewesen. Als ich mich schon fragte, ob was in meiner Apfelschorle war und ich mir den schönen Spielzug vor dem 1:0 nur eingebildet habe, fand ich dann, ebenfalls beim kicker, folgendes: „So entstand die Führung aus einem Doppelpass per Kopf zwischen Aykut Öztürk und Ziegenbein, den Letzterer per Direktabnahme im Auer Tor unterbrachte.“ Ich hatte den Doppelpass in meiner Erinnerung zwar eher auf dem Boden verortet, aber immerhin ist Öztürks Beteiligung am Tor gewürdigt.
  • „Nach dem Seitenwechsel machte SVWW mit dem zweiten Treffer alles klar.“ und weiter unten im Text: „Hübner schlug einen Freistoß in den Strafraum. Das Leder wurde immer länger und segelte über Torwart Männel hinweg ins Gehäuse (42.). So ging es dann in die Halbzeitpause.“ Nennt mich Korinthenkacker, aber die 42. Minute war (wie in den meisten Spielen) definitiv vor der Halbzeitpause. Noch spannender allerdings, dass der Freistoß von Sebastian Reinert ausgeführt wurde und Benjamin Hübner per Kopf traf.
  • „So verpasste Innenverteidiger Schönheim aus zwölf Metern die Entscheidung, als er nur den Pfosten traf (54.).“ Und schon wieder daneben, der Pfostentreffer geht auf das Konto von Marcel Ziemer. Schönheims vielversprechendster Vorstoß war erst kurz vor Schluss und sein Schuss ging neben das Tor.

Keine Ahnung, was mit dem Schreiberling los war, vielleicht wollte er nur schnell seinen Text runterrotzen, um schnell nach Hause zu seiner Liebsten zu kommen, aber solche Fehler bin ich vom kicker eigentlich nicht gewohnt.

Sei’s drum, wenn die Jungs immer so spielen, können die Reporter meinetwegen schreiben, was sie wollen.