Was macht eigentlich… Sanibal Orahovac?

Sanibal Orahovac spielte letztes Jahr für den SVWW eine Saison mit Höhen und Tiefen und spielte nach dem Abstieg offensichtlich keine Rolle mehr in den Plänen des Vereins. Lange hat man nichts von ihm gehört, zwischendurch war er mal seinem vorherigen Verein Erzgebirge Aue wieder im Gespräch, aber auch da ergab sich nichts. Gestern durfte er als Gastspieler beim FSV Frankfurt ran und wird dort möglicherweise engagiert.

So langsam sammelt sich am Bornheimer Hang unsere letztjährige Abstiegsmannschaft. Kleiner Tipp: Levan Tskitishvili wäre kurzfristig verfügbar…

Levan Tskitishvili

Der Umbruch

Nach einem Abstieg folgt meistens ein großer Umbruch, so auch beim SVWW. Die Verträge der meisten Spieler galten nicht für die dritte Liga, sodass die Kaderplanung nahezu bei Null begann. Diejenigen, die den Kader zusammenstellen und die Verhandlungen führen durften, sind auch erst recht neu im Verein (Geschäftsführer Wolfgang Gräf) bzw. in der Rolle (Manager Bernhard Raab, Cheftrainer Hans Werner Moser, Co-Trainer Sandro Schwarz). Da war es auch kein großer Vorteil, dass man schon relativ früh für die dritte Liga planen konnte (eher: musste).

Schauen wir uns mal an, welche Spieler geblieben, welche gekommen und welche gegangen sind.

Tor:

  • Bei Alex Walke, der letztjährigen Nummer 1, war klar, dass er nicht mit in die dritte Liga gehen würde. Bei unserem besten Spieler der letzten Saison hätte ich auch einen Transfer in die erste Liga für möglich gehalten, aber er ist zu Hansa Rostock gewechselt. Dort kann er in der kommenden Saison eventuell um den Aufstieg mitspielen.
  • Thomas Richter, die Nummer 1 der vorletzten Saison, wollte auch nicht bleiben. Das hat mich ein bisschen überrascht, denn ich hätte mir vorstellen können, dass er nach Walkes Abgang wieder Stammtorwart wird. Bisher hat er noch keinen neuen Verein gefunden.
  • Die Trikotnummer 1 trägt nun Eric Domaschke, der von der zweiten Mannschaft von Bayer Leverkusen gekommen ist.
  • Mit Domaschke um den Stammplatz im Tor konkurriert Marc Birkenbach, der aus der zweiten Mannschaft zu den Profis aufrückt.
  • Außerdem hinzugekommen ist Mijo Marinovic aus dem Nachwuchs von Melbourne Victory. Ist wohl eher für die zweite Mannschaft gedacht.

Abwehr:

  • Dajan Simac ist zum FSV Frankfurt gewechselt und somit in der zweiten Liga geblieben. Allerdings könnte er dort gleich eine weitere Saison lang Abstiegskampf erleben.
  • Die zweite Stammkraft in der Innenverteidigung, Marko Kopilas, hat ebenfalls den Verein verlassen und ist zu den Offenbacher Kickers gewechselt.
  • Gegangen (worden) sind außerdem Nikolaos Nakas, Ales Kokot, Vlado Jeknic und Slobodan Lakicevic. Außer Kokot (in seine slowenische Heimat zu Interblock Ljubljana) haben sie noch keine neuen Vereine gefunden.
  • Gehalten wurden hingegen Kristjan Glibo, Fabian Schönheim, Torsten Barg und Torge Hollmann.
  • Neu hinzugekommen sind Benjamin Weigelt vom FC St. Pauli, Kai Gehring aus der zweiten Mannschaft des 1. FC Nürnberg sowie Lukas Billick und Tunay Acar aus der eigenen Zweiten.

Mittelfeld:

  • Sandro Schwarz wird wohl nicht mehr als Spieler auflaufen, sondern seine Karriere als Trainer fortsetzen. Zunächst kümmert er sich um den Trainerschein (bzw. erst mal die A-Lizenz) und ist nach dem Rollentausch mit Hans Werner Moser nun Co-Trainer.
  • Benjamin Siegert hatte sich insgeheim wohl mehr erhofft, wird aber nach seinem Wechsel zum Mitabsteiger VfL Osnabrück nächstes Jahr auch in der dritten Liga antreten.
  • Über den Verbleib von Sanibal Orahovac, Erwin Koen, Levan Tskitishvili und Madi ist bisher noch nichts bekannt, Hajrudin Catic wurde in die zweite Mannschaft abgeschoben. Patrick Bick, der schon im Winter ausgemustert und in der zweiten Mannschaft geparkt wurde, wechselt zu RB Leipzig.
  • Urgestein Sascha Amstätter, derzeit leider verletzt, hatte als einziger Spieler der ersten Mannschaft (außer Sandro Schwarz) schon vorher einen Vertrag, der auch für die dritte Liga gilt.
  • Die gegen Ende der letzten Saison aus der zweiten Mannschaft aufgerückten Aykut Öztürk, Björn Ziegenbein und Benjamin Hübner gehören nun fest zum Profikader.
  • Zum SVWW gewechselt sind Josip Landeka von den Stuttgarter Kickers, Sebastian Reinert von der zweiten Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern, Steffen Bohl vom VfR Aalen und Christian Kunert vom Chemnitzer FC.

Sturm:

  • Ronny König wollte „mindestens“ in der zweiten Liga spielen und wird das nach seinem Wechsel zu Rot-Weiß Oberhausen zumindest in der kommenden Saison auch tun.
  • Wo Bakary Diakité seine Karriere fortsetzen wird, ist noch unbekannt.
  • Marcel Ziemer würde gerne bleiben und der SVWW würde ihn auch gerne behalten, aber nach Ablauf seines Leihvertrags musste er erst mal zurück zum 1. FC Kaiserslautern. Der FCK möchte wohl eine Ablöse haben, die der SVWW aber nicht zahlen will. Abzuwarten, ob man sich da noch einigen kann.
  • Dennis Schmidt, vor anderthalb Jahren von Bayer Leverkusen ausgeliehen, ist zum VfL Osnabrück gegangen.
  • Geblieben ist Dominik Stroh-Engel, der sich in der letzten Saison in der ersten Mannschaft etabliert hat.
  • Neu hinzugekommen sind Danko Boskovic vom SV Sandhausen und Jovan Damjanovic vom Drittligaaufsteiger SC Paderborn. Boskovic hat zu Regionalligazeiten schon mal eine erfolgreiche Saison für den SV Wehen gespielt (2004/05: 12 Tore bei 26 Einsätzen).

Erwähnenswert ist noch, dass sämtliche Transfers, sowohl gehend als auch kommend, ablösefrei vollzogen wurden.

Insgesamt wurde ein sehr junger Kader zusammengestellt, der in seinem Durchschnittsalter von knapp 24 Jahren nur von den jeweiligen zweiten Mannschaften der Bundesligisten in der Liga unterboten wird (die aber im wesentlichen aus U23-Spielern bestehen müssen). Es sind aber auch einige erfahrene Spieler dabei, besonders in der Defensive (z. B. Glibo, Hollmann), was sicherlich ein guter Plan ist, um den jüngeren Spielern Sicherheit zu geben.

Bei den Nachwuchskräften, die wir letztes Jahr schon im Dress des SVWW sehen konnten (Schönheim, Öztürk, Ziegenbein, Hübner), bin ich sicher, dass da noch einiges Potential schlummert. Ich gebe zu, dass ich von den Neuzugängen nur die wenigsten vorher kannte, aber ich hoffe natürlich, dass diese sich als wirkliche Verstärkungen erweisen oder zumindest eine gute Entwicklung einschlagen. Eine positive Entwicklung erhoffe ich mir auch bei der Spielweise, denn diese war letzte Saison häufig doch sehr einfallslos und deprimierend.

Als Absteiger gehört man häufig eher zu den Ligafavoriten, aber das sehe ich beim SVWW sicher nicht so. Ich wäre glücklich, wenn sich die Mannschaft möglichst schnell findet, passablen Fußball zeigt und nichts mit dem Abstieg zu tun hat. Wenn sich das junge Team in der oberen Tabellenhälfte platzieren könnte, wäre das sicherlich ein toller Erfolg. Vorher müssen aber erst mal 38 Partien gespielt werden – über die ich auch zukünftig wieder regelmäßig berichten werde.

Auf ein Neues

Eins gleich vorweg: ich werde in dieser Spieltagsvorschau die anderen Spiele nicht thematisieren. Solange wir selbst nicht punkten, brauchen wir auch nicht großartig ausrechnen, wo man idealerweise nach dem Spieltag in der Tabelle stehen könnte. Fakt ist: der SVWW ist Letzter und hat ein Auswärtsspiel beim 1. FC Nürnberg vor der Brust.

So weit, so schlecht.

Hat man außerdem noch die alte Börsenregel „the trend is your friend“ im Hinterkopf, kann man nicht viel Gutes für den Sonntag erwarten. Kurzer Rückblick auf die Ergebnisse der Pflichtspiele in 2009: glücklicher Sieg, verdienter Sieg, unglückliche Niederlage, verdiente Niederlage. Wenn man da unbedingt einen Trend erkennen will, dann ging’s erst hoch und gleich wieder runter. Aber was kommt nach „verdiente Niederlage“? Im schlimmsten Fall gibt’s eine Klatsche, klar, aber ebenso wie an der Börse weiß man eben vorher nie so recht, was als nächstes kommt. Sicher ist nur, dass es hinterher jeder schon vorher gewusst hat. Aber gut, lassen wir das.

Unter der Woche gab’s ein Testspiel gegen die TSG Hoffenheim, was sogar mit 2:1 gewonnen wurde, aber daraus kann man sicherlich nicht allzu viele Rückschlüsse ziehen. Immerhin hat sich Levan Tskitishvili anscheinend ganz ordentlich präsentiert (ich konnte das Spiel selbst leider nicht sehen) und wird am Sonntag wohl Madi ersetzen, der wegen einer Adduktorenzerrung nicht spielen kann. Ebenfalls nicht spielen kann der erkankte Sanibal Orahovac, sodass Erwin Koen vermutlich wieder beginnen darf. Benjamin Hübner fiel gegen Hoffenheim auch positiv auf, ebenso Dominik Stroh-Engel. Ich schätze, dass beide zwar nicht in der Startelf stehen, aber dann irgendwann eingewechselt werden. Ganz sicher nicht eigewechselt wird Vlado Jeknic, der nach dürftiger Leistung gegen Koblenz an diesem Wochenende nicht mal im Kader der ersten Mannschaft steht. Auf seine Position rückt wieder Marko Kopilas und wird hoffentlich der Abwehr wieder mehr Sicherheit geben.

Aufgrund des unglücklichen Ende im Hinspiel stünde uns mindestens ein Punkt zu, aber das wird die Clubberer mit Sicherheit nicht interessieren. Aber es hilft ja nichts, wenn wir aus den restlichen 14 Spielen noch mindestens 18 Punkte holen wollen, sollten die Jungs am besten gleich am Sonntag die Mission 21 fortsetzen. Bei mir ist nach dem tiefen Frust des letzten Wochenendes zumindest wieder ein bisschen Hoffnung da. Zumindest bis Sonntag um 14 Uhr.

Mission 21, Folge 1

Am Sonntag gab es gleich drei Highlights aus Wehener Sicht zu vermelden, wobei der Sieg gegen Aachen natürlich alles andere an diesem Tag überstrahlte. Aber der Reihe nach.

Levan Tskitishvili wechselt zum SVWW

Kurz vor Ende der Transferperiode wurde doch noch ein weiterer Spieler verpflichtet: Levan Tskitishvili, ehemaliger georgischer Nationalspieler, kommt ablösefrei von Dinamo Tiflis und soll eine weitere Alternative im Mittelfeld sein. Anders als die beiden anderen Neuzugänge Schönheim und Ziemer ist Tskitishvili mit 32 Jahren schon im fortgeschrittenen Fußballeralter, kann dafür aber mit entsprechender Erfahrung aufwarten, 126 Bundesligaspiele und 30 Zweitligaspiele für Freiburg und Wolfsburg stehen bisher zu Buche, dazu natürlich viele Einsätze in der georgischen Liga, sowie Gastspiele in der Ukraine und Griechenland, nicht zu vergessen 22 Länderspiele. Der Mann hat also schon einiges gesehen und erlebt und ist im Mittelfeld flexibel einsetzbar – kann im Abstiegskampf sicherlich nicht schaden. Herzlich Willkommen, Levan!

Wehen schlägt Aachen 1:0

Alemannia Aachen scheint sich zu unserem Lieblingsgegner zu entwickeln. In der letzten Saison wurden beide Spiele gewonnen, in dieser gab’s zwar am ersten Spieltag eine Niederlage in Aachen, aber dafür wieder einen Sieg in der 2. Runde im DFB-Pokal. Ähnlich wie im Pokal präsentierten sich die Alemannen erstaunlich schwach für eine Mannschaft, die sich eher Richtung 1. Liga orientieren möchte.

Nach schöner Nordwand-Choreo (Video und Bilder bei Support-Wehen.de) ging es – übrigens wie erwartet mit der gleichen Aufstellung wie am Mittwoch in Karlsruhe – gleich gut los, mit zwei Chancen in den ersten Minuten. Nach einer Viertelstunde ein Kopfball von Ronny König an den Pfosten, danach wurde es mit richtigen Torgelegenheiten etwas dünner. Dennoch war zu spüren, dass in diesem Spiel ein Dreier möglich war, denn Wehen war deutlich aktiver und konnte das Spiel überwiegend in der gegnerischen Hälfte halten. Kurz vor der Halbzeitpause krönte Marcel Ziemer seine gute Leistung mit dem 1:0, als er dem Gegenspieler den Ball abluchste und alleine vor dem Torwart die Nerven behielt und souverän einschob.

In der zweiten Halbzeit machte Wiesbaden gleich weiter Druck und kam wieder zu Chancen, die beste davon vergab Ronny König, als er eine Hereingabe von Ziemer knapp neben das Tor setzte. Das beruhigende 2:0 wollte nicht fallen und so musste gegen Ende doch noch gezittert werden. Aber auch nach angezeigten 4 (und gefühlten 10) Minuten Nachspielzeit blieb es beim 1:0 und der erste Sieg in der Liga seit fast zwei Monaten war perfekt. Zwei Siege in einer Woche, daran kann ich mich ohne Nachzublättern nicht erinnern, in dieser Saison war das definitiv eine Premiere.

Nach dem Spiel durfte bzw. musste Torschütze Ziemer nach seinem perfekten Einstand auf den Zaun, um die obligatorische Humba anzusagen. Noch etwas schüchtern, aber wenn er auf dem Platz so weiter macht, wird er sicherlich noch weitere Gelegenheiten bekommen.

Wo wir gerade bei Einzelkritik sind:

  • Walke wie immer der sichere Rückhalt
  • die Abwehr ziemlich solide, Schönheim hat sich auf der linken Abwehrseite schon etabliert
  • das Mittelfeld mit Licht und Schatten, Madi in der Balleroberung sehr stark, aber in der Offensive … nun ja… sagen wir mal ausbaufähig; Orahovac eher unterdurchschnittlich; Schwarz stark verbessert im Vergleich zur Vorrunde; Siegert flink wie üblich, teilweise etwas glücklos
  • König und Ziemer harmonieren schon ganz gut, die beiden kräftigen Jungs können sich zu einer richtigen Power-Kombination entwickeln

Nach den ersten beiden Spielen zu urteilen, könnten sich die diesjährigen Wintertransfers als Volltreffer entpuppen, aber warten wir mal noch ein bisschen ab, bevor ich zu früh jubel.

Fakt ist aber, dass 3 der (mindestens) 21 erforderlichen Punkte in der Rückrunde schon auf dem Konto sind – fehlen noch 18…

SVWW muss nach Hamburg

Das dritte Highlight des Tages war die Auslosung der Begegnungen im DFB-Pokal-Viertelfinale. Ausgerechnet Wehen-Wiesbaden, das allgemein wohl als leichtestes Los angesehen wird, wurde als allerletzte Kugel gezogen und darf am 4. März beim Hamburger SV antreten.

Tja, aus Wehener Sicht gab’s sowieso keine leichten Lose, von daher ist es eigentlich fast egal, gegen wen wir als Underdog ranmüssen. So haben wir wenigstens die Gelegenheit mal im Volksparkstadion vorzuspielen, was in der Liga möglicherweise niemals geschehen wird, da sich der Bundesliga-Dino ja beharrlich weigert, endlich in die 2. Liga abzusteigen. Im Gegenteil, in dieser Saison sind die Hamburger mal wieder ganz oben mit dabei. Sei’s drum, ist ja schließlich Pokal. Allerdings wird die mehr als 500 km lange Anreise an einem Mittwochabend wohl leider dafür sorgen, dass der Gästeblock recht überschaubar bleibt. Vielleicht gibt’s diesmal einen Sonderflug statt ein paar Busse?