Ex-Wochenschau

Wirklich viel gibt es wegen der Länderspielpause nicht vom SVWW zu berichten, aber so ein paar Schnipsel möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Fangen wir gleich mit dem Länderspiel an: Deutschland hat am Samstag mit 1:0 in Moskau gegen Russland gewonnen und ist somit direkt für die WM im kommenden Jahr in Südafrika qualifiziert. Schön, denn das erspart uns ein bis drei nervige Zitterpartien. Marcel Ziemer war übrigens nicht im Kader.

Nominiert für die rumänische Nationalmannschaft war hingegen Ex-SVWWler Max Nicu, musste aber aufgrund einer Verletzung absagen und ersparte sich so die 0:5-Niederlage in Serbien.

Unser Ex-Trainer Christian Hock war unterdessen kurzzeitig beim FSV Frankfurt im Gespräch, nachdem Thomas Oral dort nach dem jüngsten 1:1 gegen Kaiserslautern zurückgetreten ist. Nebenbei: Ich verstehe gar nicht, wieso Oral hingeworfen hat. Mit dem Unentschieden hat der FSV seinen Punktestand schlagartig verdoppelt und ist vom letzten auf den vorletzten Punkt gesprungen, also ganz klare Aufwärtstendenz. Und letztes Jahr zum gleichen Zeitpunkt waren sie doch auch Tabellenletzter (übrigens nach einer Niederlage in Wiesbaden) und haben trotzdem noch ihre große Serie gestartet. Aber ist ja nicht mein Bier.

Zurück zu Christian Hock. Beim FSV Frankfurt hätte er einige weitere Ex-SVWWler getroffen, z. B. Sportdirektor Uwe Stöver und einige Spieler,  u. a. Dajan Simac und Bakary Diakité. Letztlich hat man sich dort für Hans-Jürgen Boysen entschieden, weshalb es gerade ein paar Verstimmungen zwischen dem FSV und Kickers Offenbach gibt, da Boysen dort noch unter Vertrag war. Aber Hock wird schon wieder woanders als Kandidat gehandelt, diesmal bei RW Ahlen.

Hocks Vorgänger Djuradj Vasic (kennt den noch jemand?) ist ab sofort auch wieder auf Jobsuche, nachdem er in Elversberg rausgeworfen wurde. In Elversberg (wer’s nicht kennt, das liegt im Saarland, und der SVE spielt in der Regionalliga West) spielen übrigens mit Adnan Masic, Robert Paul und Nikolaos Nakas auch ein paar ehemalige Wehener.

So, nachdem wir jetzt von zahlreichen „Ex“ gehört haben – was macht eigentlich die aktuelle Mannschaft? Die bestritt am Samstag ein Testspiel gegen Mainz 05 und verlor 0:2. Zugegeben, auch nicht viel spannender.

Wenn einem vom Kopfschütteln schwindlig wird

Der vergangene Montag war mal wieder so ein Tag, an dem ich aus dem Staunen nicht mehr rauskam. Leider waren die meisten Überraschungen eher von der unangenehmen Sorte. Aber der Reihe nach.

Wir hatten aufgrund einer kurzfristigen Absage noch ein Ticket übrig und wollten das vor dem Stadion verkaufen. War auch weiter kein Problem, es gab genug Interessenten. Ein Typ, eher Modell Pfandflaschensammler, ergriff die Gelegenheit und handelte noch den regulären Preis von 11 auf 10 Euro herunter, was Frank in seiner unendlichen Großzügigkeit auch akzeptierte. Nachdem er die absolut originale und unverknickte Karte im Tausch gegen zwei äußerst gebrauchte 5-Euro-Scheine erhalten hatte, fragte er, ob er dann damit auch problemlos ins Stadion komme. Wir hingegen hatten eher Bedenken, dass die Echtheit der Scheine am Bierstand in Frage gestellt werden könnte.

Nun gut, also hinein in die Einlasskontrolle. Plötzlich wusste ich wieder den Vorzug eines höchstens halbvollen Stadions zu schätzen, denn die recht lange Schlange wollte sich kaum vorwärts bewegen. Und wofür habe ich eigentlich eine Dauerkarte, wenn der separate Eingang genauso überfüllt ist? Interessant auch die Anweisung des Oberkontrolleurs an den Unterkontrolleur, schneller zu kontrollieren, was in alibimäßigem Abklopfen der Jackentaschen und sofort anschließendem Durchwinken resultierte. Da hätte ich aber gelacht, wenn doch einer ein paar Bengalen mitgebracht hätte.

Die Erheiterung über die ersten beiden Ereignisse war beim Betreten des Blocks allerdings sofort verflogen. Was vor allem damit zusammenhing, dass das Betreten gar nicht so leicht war. Erst hatten die beiden Stempelheinis am Eingang des Blocks alle Zeit der Welt und interessierten sich nicht die Bohne dafür, dass die wartende Menge primär zum Fußballschauen und nicht zum Bestempeltwerden gekommen war (wo war in diesem Moment jemand mit einem kleinen bisschen Überblick und einem kleinen bisschen Autorität wie der Oberkontrolleur vom Stadioneingang?), dann war die Treppe völlig überfüllt und das Betreten des Blocks nahezu unmöglich. Die Ordner waren natürlich völlig überfordert mit der Situation. Schon lustig, wenn nur 6.000 Leute im Stadion sind, wird peinlich genau darauf geachtet, dass kein Zuschauer auf den Auf- und Abgängen steht, aber dann wenn’s nötig wäre Ordnung zu schaffen, herrscht heilloses Chaos. Extremst clever auch die (vermutlichen) Erstbesucher, die fast ausfällig wurden ob des Hinweises, dass sie sich doch bitte ein wenig in den Block hineinbegeben möchten. Nachdem wir uns mit sanfter Gewalt an diesem Engpass vorbeigekämpft hatten, war plötzlich – oh Wunder – reichlich Platz vorhanden.

Aber endlich vorbei mit dem Vorgeplänkel, das Spiel ging los. Und nun begann das größte Staunen des Abends: die Mannschaft des SV Wehen Wiesbaden spielte richtig gut! Sie erabeitete sich richtige Torchancen – bis dahin konnte ich mich an das Bild eines rotschwarz gekleideten Fußballers im gegnerischen Strafraum nur noch schemenhaft erinnern, aber tatsächlich, es gab Gelegenheiten für den SVWW, in Führung zu gehen gegen den Favoriten in diesem Nachbarschaftsduell (ich vermeide absichtlich den Begriff „Derby“, der einerseits sowieso inflationär oft im Sportreporterjargon verwendet wird und andererseits muss ich Christian Heidel, dem Manager von Mainz 05, Recht geben, der vor dem Spiel sagte, dass die Brisanz dieses Spiels in der nachbarschaftlichen Rivalität zwischen Wiesbaden und Mainz begründet sei, aber nicht in einer langen Derby-Tradition). Die beste und eindeutigste Chance auf ein 1:0 des Außenseiters vergab Sanibal Orahovac mit einem Strafstoß, den Dimo Wache abwehren konnte.

Spätestens in diesem Moment entpuppten sich – nicht ganz unerwartet – so manche N5-Besucher als Sinnesgenossen des albernen Clowns, der in W4 auf der Bande saß, rein zufällig gut sichtbar für die Kameras. Diese Person ist meiner bescheidenen Meinung nach eines der verabscheungswürdigsten Phänomene der Bonbon-Werfer von der anderen Rheinseite, aber was soll’s, auch der hat (hoffentlich) Eintritt bezahlt. Ein paar freche Jubler direkt vor mir bekamen meinen Frust über den verschossenen Elfer direkt ab, indem ich sie des Blocks verweisen wollte, mit dem dezenten Hinweis, dass sie hier offensichtlich falsch seien. Lustigerweise wollte der so Gescholtene sich ausgerechnet auf fairen Sportsgeist etc. berufen – mit welchem Sportsgeist stellt man sich denn in den gegnerischen Fanblock und jubelt auch noch unverhohlen? Ich sag’s ja, ein gar sonderbarer Abend.

Zurück zum Spiel. Trotz der vergebenen Gelegenheit übte Wehen weiterhin Druck auf den Gegner aus und kam zu weiteren Chancen. Aber, und hier wurde ich leider nicht überrascht, der Ball wollte nicht ins Tor. Zumindest nicht in das der Mainzer. In unseres schon und zwar gleich bei der ersten richtigen Chance für die Gäste. 0:1  – und der regelmäßige Besucher von Spielen mit Wehener Beteiligung wusste, was folgen würde. Immerhin traute sich der Undercover-Mainzer vor mir sich nicht noch mal offen zu jubeln. Lesson learned, Freundchen, und beim nächsten mal rechtzeitig um Karten kümmern, dann darfst Du auch auf der anderen Seite stehen.

Erfreulicherweise fand die Wehener Offensive im zweiten Durchgang ihre Fortsetzung, leider auch die notorische Unfähigkeit das Tor zu treffen. Entweder brauchten die Wiesbadener Spieler schlicht zu lange, um zum Schuss zu kommen (Ronny!!), oder sie machten es viel zu kompliziert oder Wache wehrte halt ab. Es war schon sehr interessant, wie heftig die Mainzer Abwehr am Schwimmen war – Junge, Junge, wenn die so nächstes Jahr in der ersten Liga auftreten, können sich die Narrenkappen schon mal auf eine Saison einstellen, wie wir sie derzeit erleben.

Wie auch immer, nach etwa 20 Minuten in der zweiten Halbzeit ließ der Druck der Wiesbadener nach und Mainz bekam die Sache besser in den Griff, auch ohne wirklich gut zu spielen. Eher hatten sich jetzt beide Mannschaften auf niedrigem Niveau eingependelt, mit Fehlpässen und blind nach vorne geschlagenen Bällen hüben wie drüben. Als ich schon mit einem Endstand von 0:1 rechnete, immerhin unser Standardergebnis der letzten Wochen, erzielten die Gäste in der Nachspielzeit noch das 0:2, danach wurde das Spiel gar nicht mehr angepfiffen.

Am Ende also ein Resultat, das vorher keinen überrascht hätte, aber nach dem Spielverlauf für den SVWW recht bitter und für die Mainzer etwas schmeichelhaft ist. Aber die eklatante Schwäche beim Erzielen von Toren auf der einen und das Gegenteil, die große Effizienz, auf der anderen Seite, sind eben auch wesentliche Gründe, warum die einen wahrscheinlich bald in der dritten und die anderen möglicherweise in der ersten Liga spielen werden.

Man kann unserer Mannschaft, abgesehen eben von der Chancenverwertung, eigentlich keinen Vorwurf machen. Einsatz, Leidenschaft, erarbeitete Chancen, alles da, das beste Spiel seit Wochen. Normalerweise könnte man auf dieser Leistung aufbauen und einigermaßen zuversichtlich in die nächsten Spiele gehen – wenn da nicht schon sieben Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz wären und nur noch zehn Spiele, um diesen Rückstand aufzuholen.

Aber, und auch wenn es nur eine Durchhalteparole ist: rechnerisch ist noch nichts verloren, vorher geben wir nicht auf.

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Auf zum letzten Gefecht

Am morgigen Abend empfängt der SV Wehen Wiesbaden den Nachbarn von der anderen Rheinseite, Mainz 05.

Dieses Spiel ist aus ein paar Gründen etwas Besonderes. Es ist das einzige Heimspiel im gesamten Monat März, zum ersten mal überhaupt überträgt das DSF das Montagsspiel aus der Brita-Arena und erst zum zweiten mal in dieser Saison ist das Stadion ausverkauft.

Wie wir es leider schon gewohnt sind, stehen auch diesesmal die Vorzeichen mehr als schlecht für den SVWW. Als Tabellenletzter mit fünf Niederlagen in Folge (plus Pokal-Niederlage in Hamburg) steht man einem heißen Aufstiegskandidaten gegenüber, der seit acht Spielen in der zweiten Liga unbesiegt ist und nach einem Sieg gegen Schalke 04 zudem im DFB-Pokal-Halbfinale steht.

Wehens Trainer Wolfgang Frank hat Anfang der Woche reichlich Staub aufgewirbelt, indem er vier Spieler zur zweiten Mannschaft „verbannte“ und zudem Sandro Schwarz des Kapitänsamts enthob. Wahrscheinlich soll das irgendwie die Mannschaft aufrütteln und vielleicht gibt es sogar interne Gründe, die das erklären könnten, aber für den Außenstehenden wirkt das alles reichlich seltsam. Hajrudin Catic zählte in der ganzen Saison sowieso kaum zum Kader und saß meistens auf der Tribüne, Vlado Jeknic hatte in der Rückrunde genau einen Einsatz über die volle Spielzeit (den er allerdings vermasselte), Erwin Koen war meistens verletzt und wurde nur ein paar mal eingewechselt und auch Bakary Diakité kam in der Rückrunde nur als Einwechselspieler zum Einsatz. Zum neuen Kapitän wurde Alex Walke bestimmt, was einerseits nachvollziehbar ist, da Walke der einzige Spieler beim SVWW ist, der konstant gute Leistung bringt, aber andererseits ist mir nicht ganz klar, wie Sandro Schwarz dadurch gestärkt werden soll. Angeblich sollen sich die anderen Spieler dadurch nicht mehr hinter Schwarz verstecken können. Nun ja.

Angesichts einiger Verletzungen (Siegert, Tskitishvili, evtl. Simac) und der Sperre von Kristjan Glibo stellt sich die Mannschaft fast von alleine auf. Immerhin könnte Sanibal Orahovac, mit 6 Toren unser „Top-Torschütze“, wieder einsatzbereit sein.

Mainz hingegen kann nahezu in Bestbesetzung antreten, aber die Rollen sind ohnehin klar verteilt. Ein Punktgewinn für den SVWW wäre schon mehr als überraschend, aber falls man sich überhaupt noch eine Chance auf den Klassenerhalt erhalten möchte, ist man eigentlich zum Siegen gezwungen.

In jedem Fall sollten sich die Mannschaft, aber auch die Fans vor knapp 12.000 Zuschauern im Stadion und ca. 82 Millionen vor dem Bildschirm von ihrer besten Seite präsentieren. Einsatz bis zum letzten, auf dem Rasen und auf der Nordwand, wer weiß, wann wir diese Chance wieder bekommen.

Das andere ausverkaufte Spiel in dieser Saison war übrigens am 7. November gegen Kaiserslautern. Der SVWW gewann 4:2.

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Und noch ein Pfälzer

Fabian Schönheim wechselt vom 1. FC Kaiserslautern zum SV Wehen Wiesbaden. Nach Marcel Ziemer kommt nun also ein weiterer Spieler, der es offensichtlich beim FCK nicht in die erste Mannschaft gepackt hat. Immerhin ist/war Schönheim U21-Nationalspieler, mit 21 Jahren noch sehr jung, dafür mit fast 2 Metern Körpergröße aber zumindest vom Format her durchaus passend für die Abwehr.

Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein neuer Mittelfeldspieler. Trainer Frank wünscht sich offensichtlich einen defensiven, wobei ich mir eigentlich eher einen offensiven vorstellen würde. OK, wenn man weiterhin mit Doppelsechs und zwei offensiven Außen spielen möchte, passt ein Spielmachertyp nicht so richtig ins Konzept, aber falls man es doch mal mit der Raute versuchen will, wird es auf der zentralen offensiven Position schon dünn. Nun ja, der Fokus liegt wohl weiterhin auf einem stabilen Defensivverbund, ein spielerisches Spekaktel ist auch unter neuem Trainer nicht zu erwarten.

Was mich allerdings an den beiden jüngsten Transfers schon etwas irritiert, ist der Trend zur Pfälzer Resterampe. Nach der starken Fraktion von Ex-Mainzern haben also nun die Ex-Lauterer Ronny König und Kristjan Glibo „Verstärkung“ bekommen. In Zeiten wie diesen ist es nicht immer leicht, ein Hesse zu sein…

Willkommen, Wolfgang Frank!

Am Freitag, zwei Tage nach der Entlassung von Christian Hock, wurde Wolfgang Frank als neuer Trainer des SVWW vorgestellt. Angesichts der (angeblich) zur Diskussion stehenden Kandidaten scheint mir Frank auch die beste Wahl. Die Tatsache, dass nur zwei Tage nach der Entlassung des alten Trainers der neue schon unterschreibt, deutet aber sehr darauf hin, dass die Geschäftsführung schon länger mit Frank in Kontakt stand. Aber vielleicht hat er sich auch ganz spontan entschieden – für ihn ist es ja auch bequem, er wohnt in Mainz und hatte sowieso gerade keinen Job, da ist ein Engagement in Wiesbaden im wahrsten Sinne des Wortes naheliegend.

Ein bisschen drängt sich allerdings der Eindruck auf, dass der SVWW eine Art Mainzer Resteverwertung ist. Hock und Manager Stöver haben unter Frank bei den 05ern gespielt, Sandro Schwarz, Bakary Diakité und Aziz Anhanfouf waren ebenfalls schon auf der anderen Rheinseite aktiv. Aber gut, wenn man mal die kleineren (oder größeren?) Lokalrivaliäten außer acht lässt, könnte es schlimmer kommen, als in der einen oder anderen Hinsicht der Mainzer Entwicklung der letzten 10, 15 Jahre zu folgen. Wolfgang Frank trat im Herbst ‘95 dort ebenfalls an, um den Abstieg aus der 2. Liga zu vermeiden, nachdem die Mannschaft bis dahin einen üblen Fehlstart in die Saison hingelegt hatte. Damals führte er übrigens die Viererabwehrkette und Raumdeckung ein, was in Deutschland zu dieser Zeit noch längst nicht Standard war.

Klar, das ist alles lange her und hat vermutlich überhaupt keine Relevanz für die heutige Situation beim SVWW, aber ich schöpfe daraus schon ein bisschen Hoffnung auf erstens bessere Resultate (die natürlich zum Klassenerhalt führen sollten) und zweitens auch auf eine taktische und/oder spielerische Weiterentwicklung. Vielleicht beschert uns Präsident Hankammer auch noch ein paar neue Spieler. Freuen wir uns einfach mal auf das neue Jahr – alles wird gut.